Balingen Kein Beweis für Südpol-Solo

In der Antarktis unterwegs. Aber auch ganz alleine in Rekordzeit zum Südpol? Martin Szwed will keine GPS-Daten der Expedition vorlegen.
In der Antarktis unterwegs. Aber auch ganz alleine in Rekordzeit zum Südpol? Martin Szwed will keine GPS-Daten der Expedition vorlegen. © Foto: Martin Szwed
Balingen / KARL-OTTO MÜLLER 21.02.2015
Zu Fuß allein zum Südpol, mehr als 1000 Kilometer in 14 Tagen und acht Stunden? Extremsportlers Martin Szwed will keine GPS-Daten vorlegen, die die Rekordtour belegen könnten. Sein "Beweisfoto" taugt wenig.

In 14 Tagen, 18 Stunden und 43 Minuten habe er die Antarktis zum Südpol durchquert. Allein und zu Fuß. Im Durchschnitt macht das 85 Kilometer jeden Tag. Zwei Marathonläufe? Martin Szwed beeindruckte vor wenigen Wochen Medien und Kletterkollegen: 12,5 Stunden sei täglich auf dem Eis unterwegs gewesen, sagt der Balinger. Belege hält er allerdings zurück: GPS-Daten, die den Verlauf seines Rekord-Fußmarsches dokumentieren könnten. Er warte ab, bis sich das Umweltbundesamt erklärt habe. Denn er sei ohne die vorgeschriebene Genehmigung der Behörde für die Antarktis-Durchquerung losmarschiert. Anfang der Woche wurde ein Verfahren eingeleitet. An dessen Ende könnte ein Verwarnung oder ein Bußgeld stehen.

Die Behörde sieht sich ebenfalls vor Rätseln: Hat der verbotene 15-tägige Fußmarsch überhaupt stattgefunden? Und wann genau während Szweds 20-tägiger Antarktisreise? Denn nach Recherchen des US-Reiseveranstalters ALE hätten sich keine Zeugen für Szweds Rekordmeldung gefunden - nicht für den Eilmarsch übers Eis, nicht für die Ankunft am Südpol.

Veranstalter ALE, mit dem Szwed am 30. Dezember 2014 von Chile in die Antarktis flog, verweist auf einen normalen Reiseverlauf: Martin Szwed habe mit einer Touristengruppe am 5. Januar 2015 den Mount Vinson bestiegen, am 9. Januar sei er bereits mit der Gruppe nach Chile zurückgekehrt.

An Heiligabend war der Abenteurer in Balingen gestartet. Am 16. Januar 2015 berichtete er unserer Zeitung von seiner Besteigung des Mount Vinson. Er präsentierte beeindruckende Fotos, die ihn auf dem höchsten Berg der Antarktis zeigen. Szwed ließ sich von Ralf Dujmovits fotografieren. Der Kletter-Kollege habe die Expedition auf den Gipfel des Mt. Vinson geführt, sagt Szwed selbst.

Sein angeblicher Rekordlauf zum Südpol rief im Netz und in der Szene Kritiker und Zweifler auf den Plan. Der Norweger Christian Eide, bisher Rekordinhaber, verweist auf einen Internet-Dialog mit Szwed, in dem er Beweise einfordert. Szwed wiegelt dabei ab. Auch Antarktis-Begeher Arved Fuchs bezweifelt die menschliche Leistung von täglich zwei Marathon-Distanzen über 14 Tage hinweg. Szweds finnischer Sponsor, mit dem er Ende Januar in Helsinki den Rekord feierte, distanziert sich - bis Klarheit herrscht. Darauf habe man sich gemeinsam verständigt, erklärte Szwed diese Woche. Das Unternehmen soll keinen Schaden nehmen.

Für Klarheit könnten die GPS-Daten der Tour sorgen. Szwed will sie aber wohl unter Verschluss halten, weil, wie er sagt, auch deren Echtheit angezweifelt werden könnte.

Rekonstruiert man Szweds Reise anhand der zur Verfügung gestellten Bilder, sind anhand von Metadaten wie Aufnahmedatum und Uhrzeit Rückschlüsse auf die Anreise in die Antarktis, die Besteigung des Mt. Vinson, den Aufenthalt im Basislager, Ausflüge auf dem Eis und den Rückflug möglich.

Alle diese Daten bestätigen den vom Reiseveranstalter ALE genannten Verlauf, nicht den angeblichen Solo-Rekordlauf. Und ausgerechnet Szweds "Belegfoto" vom Südpol, das landauf, landab durch die Medien gereicht wurde, enthält überhaupt keine Metadaten. Konfrontiert mit diesen Fakten, versprach Martin Szwed noch in dieser Woche Aufklärung. Seit Donnerstag herrscht allerdings Funkstille.

Die Antarktis

Sehnsuchtsort Seit mehr als 100 Jahren zieht der südlichste Punkt der Erde Forscher und Abenteurer magisch an. 1911 lieferten sich der Norweger Roald Amundsen und der Engländer Robert Falcon Scott den berühmten Wettlauf. Amundsen erreichte den Pol 35 Tage vor den Engländern - und kehrte aus dem Eis zurück. Heute gibt es Reiseunternehmen, die einen für 35.000 Euro zum Südpol bringen.