Stuttgart Kefer auf Werbetour

Bahn-Technikvorstand Volker Kefer: Das Ultimatum an die Landesregierung läuft am Freitag ab. Foto: Imago
Bahn-Technikvorstand Volker Kefer: Das Ultimatum an die Landesregierung läuft am Freitag ab. Foto: Imago
Stuttgart / ANDREAS BÖHME 19.03.2013
Die Finanzierung des Filderbahnhofs ist weiter unklar. Die Grünen müssen entscheiden, ob sie einer Beteiligung des Landes und der Stadt Stuttgart an den Kosten zustimmen. Am Freitag läuft das Ultimatum ab.

Zwei Tage lang wirbt Volker Kefer, Technikvorstand der Bahn, um ein Einlenken der Landesregierung in Sachen Filderbahnhof. Doch die Fronten sind unverändert verhärtet, nicht zuletzt zwischen den Koalitionspartnern.

Gestern war der Stuttgarter OB Fritz Kuhn dran, heute ist es Verkehrsminister Winfried Hermann: Die Bahn wirbt um die bessere Lösung beim neuen Flughafenbahnhof, aber die beiden Grünen bleiben unnachgiebig und die Zeit läuft ab: Bis Freitag will Volker Kefer wissen, ob sich Stadt und Land auch am verbesserten Filderbahnhof beteiligen. Die jetzt von der Bahn, aber auch vom Land und den Flughafenbetreibern favorisierte Lösung ist für die Reisenden komfortabler und für den Eisenbahnbetrieb variabler. Sie kam als einzig sinnvolle Variante aus dem von der Landesregierung initiierten "Filderdialog" heraus. Unter anderem sind die Zuführungen im Tunnel zwei Kilometer länger. Mit - von der Bahn veranschlagten - Kosten in Höhe von 760 Millionen Euro ist der bessere Bahnhof aber eben auch teurer als die geplante, einfachere Version. Diese so genannte Antragstrasse kostet rund 536 Millionen Euro, weswegen die Bahn ihre Projektpartner denn auch für die Verbesserungen anteilig zur Kasse bitten will.

Wie weiter? Wenn sich Bahn und Grüne nicht bis Freitag einigen - diesen Zeitpunkt hat die Bahn gesetzt -, gibt das Unternehmen die alten Pläne in das Planfeststellungsverfahren. Dieses ist seit Anfang vergangenen Jahres zugunsten des Filderdialogs ausgesetzt. Das Genehmigungsverfahren für den Filderbahnhof und seine Zulaufstrecken ist einer der beiden Abschnitte des Gesamtprojekts Stuttgart-Ulm, der noch nicht planfestgestellt wurde. Daher drängt die Zeit. Zwar könnte der Bahnverkehr vom neuen Tiefbahnhof über die Schnellfahrstrecke nach Ulm auch ohne Flughafenbahnhof abgewickelt werden - sofern beide Teile früher fertig wären als der Filderbahnhof. Die Verknüpfungen der Gleise aber sind unabdingbar für den Anschluss Richtung Süden nach Singen und Zürich. Denn der Bahnknoten am Flughafen bildet künftig die einzige Schnittstelle der Gäubahn zum Stuttgarter Hauptbahnhof.

Der Streit zwischen Bahn und Landesregierung führt aber auch zu neuen Differenzen innerhalb der Koalition. Während sich das Verkehrsministerium auf den Standpunkt stellt, der Filderbahnhof bringe keinen Zusatznutzen für Regional- und Nahverkehr, verlangt SPD-Generalsekretärin Katja Mast, die Grünen mögen sich erinnern, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann Gesprächsbereitschaft signalisiert und mit dem Filderdialog Hoffnungen geweckt habe. "Er ist als Regierungschef gefordert, eine Entscheidung zu treffen, die sich langfristig zum Wohl des Landes auszahlen wird", sagte Mast der Nachrichtenagentur dpa.

CDU-Landeschef Thomas Strobl erklärt den Filderdialog nachträglich zur Farce, weil die Grünen erst mit großer Geste die Bürger beteiligt hätten, sich bei den daraus ergebenden Mehrkosten aber aus der Verantwortung stehlen wollten. "Die Grünen sind, allen voran Minister Hermann, nicht kritisch-konstruktiv, sondern trotzköpfig-destruktiv", sagte Strobl.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel