Bräunlingen Kauders ungewisse Zukunft

Bräunlingen / PETRA WALHEIM 16.11.2012
Die CDU-Mitglieder im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Kinzigtal wählen heute Abend ihren Kandidaten für die Bundestagswahl 2013. Ob das wieder Siegfried Kauder sein wird, ist reichlich ungewiss.

Die CDU-Mitglieder aus dem Oberen Kinzigtal haben einen Bus gechartert, mit dem sie von der Ortenau zur Nominierungsversammlung in Bräunlingen im Schwarzwald-Baar-Kreis fahren. Sie hoffen, dass der Bus voll und Siegfried Kauder heute erneut als Kandidat für die Bundestagswahl aufgestellt wird. An ihnen wird es nicht liegen, wenn die Nominierung Kauders scheitert.

Die Kinzigtäler haben nichts an der Arbeit ihres Bundestagsabgeordneten auszusetzen. Sie blicken eher verständnislos auf den Streit, der im benachbarten CDU-Kreisverband Schwarzwald-Baar tobt. Der macht den Großteil von Kauders Wahlkreis aus, die Kinzigtäler gehören aber auch dazu. Die CDU im Schwarzwald-Baar-Kreis ist dafür verantwortlich, dass die Nominierung heute anders laufen wird als die vorherigen. Kauder, der 2002, 2005 und 2009 jeweils direkt gewählt wurde, hat erstmals einen Gegenkandidaten: den erst vor knapp zwei Monaten mit mehr als 99 Prozent wiedergewählten Oberbürgermeister von Donaueschingen, Thorsten Frei.

Der 39-Jährige ist Vize-Präsident der Landes-CDU und gilt als einer der Hoffnungsträger der Partei. Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ist der Streit, der von vielen als "Schlammschlacht" empfunden wird, eine ganze Seite wert. Zu Freis Kandidatur heißt es in dem Bericht: "Etwas Schlimmeres als ausgerechnet dieser jugendlich-moderne Herausforderer konnte Kauder kaum passieren."

Natürlich hat das alles seinen Grund: Viele CDU-Mitglieder im Schwarzwald-Baar-Kreis sind seit mehr als einem Jahr zutiefst unzufrieden mit Kauder, mit seiner Arbeit und seinem Umgang mit den Menschen: Eine vernünftige Kommunikation finde schon lange nicht mehr statt, klagen sie. Kauder treffe einsame Entscheidungen, ohne diese mit dem Kreisverband abzustimmen. Selbstherrlich und abgehoben sei er, habe den Kontakt zur Basis verloren. Das sind nur einige der Vorwürfe, die lange Zeit nur intern erhoben wurden. Erst als Kauder seiner langjährigen Kreisgeschäftsführerin wegen einer Lappalie den Stuhl vor die Tür stellte, kochte der Unmut hoch und drang an die Öffentlichkeit. Einige CDU-Mitglieder wollen an ihm auch eine Persönlichkeitsveränderung festgestellt haben, äußerlich hat Kauder sich für jeden sichtbar verändert.

Der 61-Jährige fühlt sich zu Unrecht angegriffen und hat sich bislang geweigert, auf seine Kritiker zuzugehen. Stattdessen attackiert er sie und verschont dabei auch Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel nicht. Der hatte in einem Schlichtungsgespräch - erfolglos - versucht zu vermitteln. Als Einzelheiten aus der Schlichtung bekannt wurden, war klar, warum. Offenbar hat Kauder sich kaum zu den Vorwürfen geäußert. Ob er dafür heute Abend die Quittung erhält, wird sich zeigen.

Der Ausgang der Nominierung ist ungewiss. Die Stimmung ist in weiten Teilen der CDU derart vergiftet, dass sich viele nur eines wünschen: einen politischen Neuanfang mit neuer personeller Besetzung.

Dafür spricht sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Rombach aus, der den Wahlkreis Villingen-Schwenningen betreut und viele Jahre Weggefährte Kauders war. "Sachlichkeit ist das Gebot der Stunde", sagt er. Rombach sträuben sich die Haare, wenn er mitansehen muss, wie sich die CDU im Schwarzwald-Baar-Kreis selbst zerfleischt. Sein größter Wunsch ist die schnelle Rückkehr zu einer sachlichen politischen Arbeit.

Ob das unter neuer Führung sein wird, werden heute Abend mindestens 500 Parteimitglieder aus 25 Kommunen entscheiden. Ginge es nach den Kinzigtälern, die geschätzt etwa ein Sechstel der Mitglieder ausmachen, würde sich Kauder gegen Frei klar durchsetzen. Doch in den größeren Stadtverbänden wie Villingen-Schwenningen, Bad Dürrheim und Donaueschingen sieht es für ihn nicht gut aus.

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