Sie streichen um die Beine, springen auf die Bank, setzen sich auf den Tisch. Katzen in allen Farben - getigerte, schwarzweiße, rote. Und alle sind sehr, sehr sanft und friedlich. Selbst mit dem dreibeinigen Schäferhund Richard kommen die Kater und Kätzinnen gut aus. "Villa Samtpfötchen" nennen Erika und Horst Mengeu ihr Anwesen am Rande von Langenhart, einem Teilort von Meßkirch. In dem weitläufigen Areal, in dem einmal ein Fruchthandel residierte, hegen sie verstoßene, misshandelte und herrenlose Katzen - bis zu deren Lebensende, wenn sie nicht an einen Tierfreund vermittelt werden können. "Zur Zeit haben wir 80", sagt Horst Mengeu, "aber wir hatten auch schon 130." Das Paar hat eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet, die das Katzenpflegeheim trägt.

Erika und Horst Mengeu zählen zu den engagierten Bürgern, die bei der Katzen-Kampagne des Landkreises Sigmaringen mitmachen. Der Landkreis ergriff Ende 2013 die Initiative, um das Katzenelend zu bekämpfen. Unkastrierte, frei laufende Katzen zeugen mit anderen streunenden Katzen fortwährend Nachwuchs. Kätzinnen kriegen bis zu vier Mal im Jahr Junge. Jede Geburt schwächt die Mutterkatze, der Nachwuchs kränkelt häufig auch. Selbst räudige Katzen oder an der Schnupfenkrankheit leidende Katzen sind fortpflanzungsfähig. Katzen ohne Zuhause verwahrlosen, leiden Hunger und werden krank.

Wird die ungezügelte Fortpflanzung verhindert, entsteht auch weniger Leid, so die Logik. Doch von der Geburtenkontrolle profitieren auch andere Tiere: In jeder Katze steckt ein Raubtier. Sie fängt nicht nur Mäuse - sondern sie tötet auch Singvögel.

Grundsätzlich ist jeder Halter verantwortlich für sein Tier. Und auch jedermann, der eine Katze füttert, die vor seiner Tür bettelt. So bestimmt es das Tierschutzgesetz. "Das machen sich viele nicht klar", sagt die Sigmaringer Kreisveterinärin Carola Scholz.

Kastrationen kosten Geld. Bürger, die frei lebende Katzen füttern, drücken sich oft davor, die Tiere einzufangen und mit ihnen zum Tierarzt zu gehen. Der Sigmaringer Landrat Dirk Gaerte hat daher die Kreisgemeinden darum gebeten, die Operationen zu bezuschussen. Mit Erfolg. Alle 25 Kreisgemeinden beteiligten sich an der Aktion. Sie zahlen ihren Bürgern 15 Euro Zuschuss für die Kastration eines Katers und 30 Euro für die teurere Sterilisation einer Kätzin. Die Stadt Meßkirch übernahm sogar die kompletten Tierarztkosten für 19 Tiere und zahlte dafür 1520 Euro. So kam es im ganzen Kreis zur Kastration von insgesamt 621 Katzen. 17 860 Euro brachten die Gemeinden dafür auf. "Unglaublich, wie sich das entwickelt hat", stellt Carola Scholz fest, "wir haben nicht damit gerechnet, dass es so gut läuft." In jeder Gemeinde fanden sich engagierte Tierschützer, die Katzen ablieferten.

Nach der Kastration tätowieren die Tierärzte die Katzen und versehen sie mit einem Mikrochip. So können sie sofort erkennen, ob ein Tier kastriert ist. Carola Scholz: "Damit vermeiden wir die unnötige Narkotisierung bereits kastrierter Katzen und unnötige Kosten."

Die Mengeus lassen in der Villa Samtpfötchen sämtliche Katzen, die bei ihnen abgeliefert werden, kastrieren und gegen Katzenseuche impfen. Sie sind deswegen schon angegriffen worden. "Uns wurde vorgeworfen, wir wollten die Katzen ausrotten", berichtet Erika Mengeu, "das ist natürlich Unsinn." Das Katzenleben verschlechtere sich auf keinen Fall durch die Kastration. "Die Tiere werden ruhiger", sagt Erika Mengeu, "insbesondere Kater werden häuslicher." Sie hören auf, Markierungen zu setzen und ständig auf der Suche nach einer empfängnisbereiten Kätzin durch die Gegend zu tigern.

Als nächster Schritt steht im Kreis Sigmaringen an, herrenlose, absolut verwilderte Katzen, die Menschen meiden, einzufangen und sie ebenfalls zu kastrieren. Dafür verwenden die Tierschützer Katzenfallen. Scholz ist überzeugt, dass dieses Vorgehen die beste Lösung ist, Geld zu sparen. "Für die Katze ist das stressfrei", so Carola Scholz. Das Katzenproblem löse sich so "auf lange Frist biologisch".

Gemeinden zu Katzenschutzverordnungen befugt

Rechtsgrundlage Das Land Baden-Württemberg hat durch einen Beschluss des Ministerrats vom 19. November 2013 die Rechtsgrundlage dafür geschaffen, dass Städte und Gemeinden eine kommunale Katzenschutzverordnung erlassen können. Nach dieser Verordnung sind Gemeinden befugt, Halter von frei laufenden Katzen dazu zu verpflichten, die Tiere kastrieren zu lassen.

Kampagne Verbunden mit dieser Verordnung ist die Pflicht, die Katzen zu kennzeichnen und zu registrieren. Auch Bürger, die lediglich Katzen an der Haustüre füttern, müssen die Kastration veranlassen. Im Kreis Sigmaringen haben die Gemeinden bisher auf eine Schutzverordnung verzichtet. Sie beteiligen sich freiwillig an der Kastrationskampagne. web

SWP