Nirgendwo wurde vergangenes Jahr in Baden-Württemberg so häufig eingebrochen wie in Stuttgart. 1025 Einbrüche verzeichnete die Polizei - das sind fast drei Einbrüche pro Tag. Das zeigen Daten des Landeskriminalamts,  die der SÜDWEST PRESSE  vorliegen (hier einsehbar). In die Statistik fließen auch versuchte Einbrüche mit ein. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Stadtkreis Karlsruhe (752) und der Rhein-Neckar-Kreis (670).

Allgemein zeigt ein Blick auf Karte 1: Der Westen des Landes und der Ballungsraum um Stuttgart sind am stärksten betroffen. Der Leiter der Pressestelle des Innenministeriums Baden-Württemberg, Andreas Schanz, hat dafür zwei Erklärungen: die Nähe zu Frankreich, das vor allem über Autobahnen schnell zu erreichen ist. Außerdem ist die Möglichkeit in Ballungszentren unterzutauchen höher, als in dünn besiedelten Gebieten, sagt Schanz.

Karte 1



Karte 1 scheint Schanz These der Ballungsräume zu bestätigen: Am seltensten musste die Polizei wegen Einbrechern im eher ländlichen Main-Tauber-Kreis ausrücken. Dort wurde im vergangenen Jahr lediglich 54 mal eingebrochen. Auf den Plätzen 2 und 3: Der Kreis Rottweil (56) und der Kreis Baden-Baden (68). Dass Baden-Baden trotz der Nähe zu Frankreich so weit unten auf der Liste auftaucht, liegt an der geringen Einwohnerzahl - lediglich gut 50.000 Einwohner leben dort. Wo weniger Menschen wohnen, gibt es auch weniger Häuser, in die Einbrecher eindringen können.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die Einbrüche in Relation zu der Einwohnerzahl bringt (Karte 2). Für diese Karte haben wir die Zahl der Einbrüche pro 10.000 Einwohnern berechnet. Die Einwohnerzahlen stammen vom Statistischen Landesamt und beziehen sich auf das Jahr 2012. Einwohnerzahlen für das Jahr 2013 stehen bislang noch nicht zur Verfügung.

In dieser Karte landet Baden-Baden beispielsweise nicht mehr auf Platz 3, sondern im Mittelfeld. Auf Platz 1 steht bei den Einbrüchen pro Einwohner der Kreis Pforzheim. Hier kommen auf 10.000 Einwohner rund 27 Wohnungseinbrüche. 

Der Kreis Rottweil ist Karte 2 zufolge der Kreis in Baden-Württemberg, wo Einwohner am wenigsten Angst vor Einbrüchen haben müssen. Auf 10.000 Einwohner kommen hier nur 4,13 Einbrüche.

Karte 2



Prozentual stärkster Anstieg im Bodenseekreis
Besonders zu schaffen macht der Polizei der starke Anstieg der Fälle. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 31,8 % angestiegen. Am größten war die Zunahme im Bodenseekreis. Dort stieg die Zahl der Einbrüche von 74 auf 222 - eine Steigerung um 200 Prozent. Bernd Schmidt von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz kann nur spekulieren, warum das so ist. "Eventuell gibt es im Bodenseekreis mehr Objekte, die sich lohnen", sagt er. Aber da die Aufklärungsquote so gering sei, könne man auch nicht viele Rückschlüsse auf die Zahlen ziehen, sagt Schmidt. Vielleicht hat der starke Anstieg der Einbruchsdelikte im Bodenseekreis auch mit der Nähe zur Schweizer Grenze zu tun. "Die Schweizer Kollegen haben die gleichen Probleme wie wir", sagt Schmidt. Wenn in einem Land geklaut wird, ziehen sich die Diebe ins jeweils andere Land zurück, während die Polizei am Tatort und nicht über die Grenzen hinaus sucht.

Der Leiter der Pressestelle des Innenministeriums Baden-Württemberg, Andreas Schanz, erklärt die allgemeine Zunahme der Delikte mit der professionellen  Entwicklung dieses kriminellen Sektors. Wohnungseinbrüche werden demnach als „besonders lukrativer Geschäftszweig betrieben“, sagt Schanz. Die Täter werden gezielt im Ausland angeworben und sind schnell wieder weg. Der Anstieg der Einbruchszahlen in Baden-Württemberg sei aber auch damit zu erklären, dass das Ausgangsniveau im Vergleich zu den anderen Bundesländern  relativ niedrig war, sagt Schanz. 

Die Aufklärungsquote von Wohnungseinbrüchen ist in Baden-Württemberg niedrig. Sie liegt nur bei knapp 11% und damit noch unter dem Bundesdurchschnitt.