Heilbronn Kampf um "letzte Bastion der Konservativen"

Heilbronn / HANS GEORG FRANK 28.09.2013
Der Heilbronner Sozialdezernent Harry Mergel (SPD) möchte am 16. März 2014 Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt werden. Die CDU reagierte mit Häme auf die frühzeitige Ankündigung.

. Kaum hatte Harry Mergel (57) seine Kandidatur für die Heilbronner Oberbürgermeisterwahl erklärt, schon verschickte Alexander Throm, Fraktionsvorsitzender der CDU und Landtagsabgeordneter, eine "Zumeldung" an die Medien: "Heilbronn ist zu schade für einen Kandidaten zweiter Wahl." Throm bezog sich dabei auf Mergels Niederlage 1999, als der parteilose, aber von der CDU unterstützte Helmut Himmelsbach klar siegte.

Die Reaktion der Christdemokraten zeigt, wie bedeutend die Entscheidung der Heilbronner Bürger ist. Mergel sprach von einem "Kampf um die letzte Bastion der Konservativen". In den zwölf größten Städten Baden-Württembergs sitzt kein einziges CDU-Mitglied im Chefzimmer des Rathauses. Die Hälfte ist in der Hand der SPD, gefolgt von drei Grünen und drei Parteilosen. Erst auf Platz 13 hält Ulrich Burchardt in Konstanz neuerdings die CDU-Fahne hoch, nachdem er 2012 die Nachfolge des Grünen Horst Frank angetreten hat.

Die Kandidatur des Dezernenten für Kultur, Soziales, Bildung, Sport und öffentliche Ordnung wurde in Heilbronn erwartet. Trotzdem suchte ein Bündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern nach einem auswärtigen Bewerber. Doch keiner sei besser als Mergel, lautet gestern das einstimmige Fazit.

Harry Mergel, ehemaliger Lehrer und Fußballer, ist in der Stadt mit 125 000 Einwohnern bestens vernetzt. Mit geschätzt der Hälfte ist er per Du. 1989 wurde er in den Gemeinderat gewählt, übernahm 1996 den Vorsitz der SPD-Fraktion, wechselte 2005 in das Sozialdezernat. Dazwischen musste er sich bei der OB-Wahl 1999 geschlagen geben. Damals, nach Skandalen im Rathaus, habe es "eine ausgeprägte Sehnsucht nach einem Kandidaten von außen" gegeben, begründete Mergel seine Niederlage mit 37 Prozent. Die Hoffnungen der Mehrheit ruhten auf Helmut Himmelsbach, der für den Umzug an den Neckar den OB-Posten in Heidenheim aufgab. 2014 muss er altershalber aufhören.

Bei aller Wertschätzung für seinen Chef und dessen Leistungen, die Mergel ausdrücklich betonte, wird aus ersten Andeutungen in seinem Wahlprogramm doch deutlich, dass unter Himmelsbach nicht alles als optimal empfunden wird. Mergel strebt "eine neue Kultur des Miteinanders" an. Er verspricht "mehr Zuhören, mehr Transparenz, mehr Beteiligung", auch eine "neue Willkommenskultur" möchte er im Fall seiner Wahl etablieren. An der Stadt selbst hat Mergel kaum etwas zu kritteln. Heilbronn habe "in jeder Beziehung eine hervorragende Substanz und beste Entwicklungschancen in allen Bereichen". Es gebe "derzeit keine vergleichbare Stadt im Land, in der so ambitioniert in die Zukunft investiert wird".

Wen CDU und FDP gegen Mergel ins Feld führen, gilt bereits als ziemlich sicher. Martin Diepgen (57), früher Chef der Arbeitsagentur und CDU-Stadtrat, haben sie aufgebaut als Finanzbürgermeister. Seit Dezember 2012 bekleidet der Hesse, Halbbruder des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, dieses Amt - und macht dabei eine gute Figur. Immer mal wieder wird auch gemunkelt, dass Diepgens Vorgängerin Margret Mergen (52) nach Heilbronn zurückkehren könnte - die Erste Bürgermeisterin von Karlsruhe wollte vergangenes Jahr eigentlich dort für den OB-Posten kandidieren, doch die CDU versagte ihr die Unterstützung.

Dass vermutlich zwei Kollegen gegeneinander antreten werden, sieht mindestens Harry Mergel nicht als Problem für die Zusammenarbeit. Als Sportler sei für ihn Fairness oberstes Gebot.

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