Die Stadt Stuttgart, das Regierungspräsidium und das Land wollen die Feinstaubbelastung in Stuttgart mit einem Maßnahmenpaket verringern. So sollen nicht nur die Gesundheitsgefährdung der Bürger verringert, sondern auch empfindliche Strafzahlungen infolge eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens abgewendet werden, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Stuttgart. Das gemeinsame Konzept soll in den kommenden Tagen dem Bund übersandt werden.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte mit Blick auf 64 (Vorjahr: 91) Tage, an denen 2014 die Grenzwerte von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft an der Messstelle Neckartor überschritten wurden: "Stuttgart ist auf gutem Wege, aber man kann nicht zufrieden sein." Erlaubt sind nur 35 Überschreitungstage.

Zum Kampf gegen die Mini-Partikel, die Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen verursachen können, gehört eine weitere deutliche Reduzierung des motorisierten Verkehrs: Der Abrieb von Bremsen und Reifen trägt mit 31 Prozent zur Gesamtbelastung bei. "Hintergrundbelastung" durch andere Quellen wie Großfeuerungsanlagen steuert 55 Prozent bei.

Die geplanten Metropol-Express-Züge sollen erheblich zum Umstieg vom Auto auf die Schiene beitragen und auch die Jobtickets seien beliebt, erläuterte Kuhn. "Angebote, nicht Verbote" stünden im Vordergrund, so Hermann. Wenn nach drei Jahren aber alle Appelle ohne Erfolg blieben, müssten Vorschriften zum Zuge kommen, warnte der Grünen-Politiker. Rathauschef Kuhn schlug vor, Taxiunternehmen zu unterstützen, die Neufahrzeuge mit Elektro-Antrieb kauften. Aufklärung über die Gefahren von Feinstaub soll zudem den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr beschleunigen - auch im Umland von Stuttgart.

Kuhn: "Über die Luft am Neckartor in Stuttgart wird in Heilbronn oder Reutlingen mitentschieden." Auch Besitzer von Kleinfeuerungsanlagen wie Kaminen, die etwa in Stuttgarter Halbhöhenlagen für Gemütlichkeit sorgten, sollten im Ernstfall ihre Wärmequellen ausschalten. Man werde auch wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen, wie etwa die These, Moos binde Feinstaub.