Wie kam die Mordwaffe zum Nationalsozialistischen Untergrund? Und gab es neben der Ceska, die 2011 in Zwickau gefunden wurde, ein zweites Modell? Diese Fragen ploppten wegen Vorgängen in Baden-Württemberg auch im Münchner NSU-Prozess auf, obwohl dort die Beweisaufnahme eigentlich beendet ist. Hintergrund sind neue Ermittlungen gegen den Neonazi Jug P. (Kreis Vaihingen). Der 43-Jährige hatte einst drei Waffen für Sven R, beschafft, damaliger Anführer der Neonaziszene in Rudolstadt (Thüringen).

R. erschien gestern wieder nicht vor dem Ausschuss. Der Mann fühlt sich bedroht, da vor der ersten geplanten Befragung im Februar eine scharfe Patrone auf seinem Briefkasten gefunden worden war. Jug P. kommt zwar. Er habe aber Details zum Waffendeal vergessen. Nur so viel: Es sei keine Ceska dabei gewesen, weil der Besteller keinen „Ostschrott“ wollte. Um welche Modelle es sich dann gehandelt hat, wisse er nicht. Er habe nie in die Tasche geschaut. Der Zeuge erklärt aber, dass er sich vom Verfassungsschutz bedroht fühlt und er sich auch deshalb an nichts mehr erinnern könne.

Die Verteidigung von Ralf Wohlleben im NSU-Prozess ist an Details interessiert. Er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, weil die Bundesanwaltschaft davon ausgeht, dass das Trio mit seiner beschafften Ceska neun Menschen getötet hat. Gibt es aber eine weitere Ceska, so hofft die Verteidigung, ist nicht bewiesen, dass die Waffe von Wohlleben tatsächlich das Mordwerkzeug war. Einen Antrag, Jug P. und Sven R. in München zu laden, hat das Gericht nun abgelehnt. Der Landtag will sich weiter mit der Sache befassen.