Erdkabel statt "Monstertrassen": CDU-Fraktionschef Guido Wolf hat von der Landesregierung Informationen über mögliche Änderungen an der neuen Stromautobahn "Suedlink" gefordert. Der Herausforderer von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei der Landtagswahl zielt insbesondere auf die überraschende Wende von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der sich teure Erdkabel an jenen bayerischen Orten vorstellen kann, an denen Bürger Front gegen die riesigen Leitungen machen. "Damit stellt sich die Frage, was das für den Zeitablauf, für die Baukosten und für die Betriebskosten bedeutet. Und welche Belastung dadurch für die Stromkunden zu erwarten ist", sagte Wolf am Samstag.

In einem Brief an Kretschmann und Landeswirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) bat er um Auskunft. "Sollte der Bundeswirtschaftsminister gegenüber dem bayerischen Ministerpräsidenten zu mehr Erdverkabelung bereit sein, so muss dieses Kriterium auch für Baden-Württemberg gelten", sagte Wolf. Die geplante Super-Leitung "Suedlink" soll Windstrom von der Nordsee in die Industriezentren im Süden und Südwesten bringen und bis zum Jahr 2022 fertig sein. Als Freileitung mit Masten würde das Projekt nach jetzigem Stand etwa zwei bis drei Milliarden Euro kosten. Die Kosten für den Leitungsbau müssen die Stromkunden über die Netzentgelte schultern.

Gabriel kann sich nun aber bei der 800 Kilometer langen "Hauptschlagader" der Energiewende auch teure Erdkabel als "Regelfall" vorstellen. Damit soll der Protest gegen die "Monstertrassen" - hohe 380-Kilovolt-Strommasten - minimiert und Bayern ins Boot geholt werden. Der Freistaat will "Suedlink" am liebsten nach Westen in die Nachbarländer Hessen und Baden-Württemberg verschieben.

Nach Angaben der Netzbetreiber sind Erdkabel aber drei- bis achtmal so teuer wie Freileitungen. Auch müssten bei einem Vorrang für das Erdkabel vermutlich alle Planungen und Verfahren zur Bürgerbeteiligung bei "Suedlink" neu aufgerollt werden.

Geht es nach dem Freistaat Bayern, soll die Trasse nicht ins unterfränkische Grafenrheinfeld führen und von dort weiterverteilt werden, sondern direkt nach Baden-Württemberg mit einem Zweig ins bayerisch-schwäbische Gundremmingen. Dabei soll die Trasse über Kupferzell/Großgartach im Kreis Heilbronn geführt werden.

Die Trassen von Norden nach Süden sind nötig, weil in Baden- Württemberg und Bayern Atomkraftwerke abgeschaltet werden und die beiden Länder dann auf Stromzulieferungen aus dem windreichen Norden angewiesen sind. Am Mittwoch wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer, SPD-Chef Gabriel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) bei einem Treffen im Kanzleramt eine Lösung für den Ausbau der umstrittenen Leitungen finden.