Die Opfer von Terroranschlägen und Amokläufen sowie deren Angehörige haben in Baden-Württemberg jetzt einen zentralen Ansprechpartner. Das Land hat die neue Stelle eines Beauftragten eingerichtet. „Wir treffen Vorsorge und wappnen uns für einen Fall, der hoffentlich nie eintritt“, sagte Justizminister Guido Wolf (CDU) am Mittwoch in Stuttgart.
Die Stelle wurde mit Uwe Schlosser besetzt, der bislang Generalstaatsanwalt in Karlsruhe war. Schlosser ist ehrenamtlich tätig. Er bekommt aber eine Aufwandsentschädigung und eine Geschäftsstelle mit vier Mitarbeitern an die Hand.

Konzept für Opferbetreuung

Wolf erklärte, Opfern und deren Angehörigen könne es nicht zugemutet werden, sich nach einem hochgradig traumatischen Ereignis mit wechselnden Ansprechpartnern auseinanderzusetzen. Schlosser soll nach Angaben des Justizministeriums ein Konzept zur Opferbetreuung für den Ernstfall erarbeiten und - unabhängig von Ereignissen - den Opferschutz im Land koordinieren. Falls Opfer allgemeiner Straftaten nicht wissen, wo sie Unterstützung erhalten können, soll der Beauftragte sie an bestehende Hilfsangebote weitervermitteln.
Bei einem Anschlag 2016 auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin waren elf Menschen gestorben. Die Bundesregierung ernannte damals den früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck zum Beauftragten für die Anliegen der Opfer dieses Anschlags und deren Hinterbliebenen. Beck empfahl in seinem Abschlussbericht, Anlaufstellen für Opfer auch in den Ländern zu schaffen. Diese Empfehlung setzt Baden-Württemberg jetzt um.
Für Wolf ist aber auch der Amoklauf von Winnenden ein Beispiel für ein Ereignis, wo ein Opferbeauftragter tätig werden kann. Am 11. März 2009 war ein ehemaliger Schüler in eine Schule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) eingedrungen und hatte mit der Pistole seines Vaters das Feuer eröffnet. Er erschoss acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen während des Unterrichts. Auf seiner Flucht tötete der 17-Jährige drei weitere Menschen und sich selbst.

Opfer und Hinterbliebene fühlen sich oft alleingelassen

Schlosser erklärte, Opfer und Hinterbliebene fühlten sich oft alleingelassen. Sie wüssten zum Beispiel nicht, wie sie finanzielle Entschädigungen bekommen könnten, weil sie keinen Überblick über bestehende Angebote hätten. Die Organisation Weißer Ring hatte sich zum Jahresbeginn skeptisch zum neuen Beauftragten geäußert. Er dürfe kein Feigenblatt für fehlende Unterstützung von Opfern sein, hatte Landeschef Erwin Hetger damals gemahnt. Das Justizministerium verweist darauf, dass der jährlich zur Verfügung stehende Betrag für die Landesstiftung Opferschutz ab 2019 auf 800.000 Euro verdoppelt wurde. Die Stiftung unterstützt Opfer von Straftaten mit Geld.