Nach dem Anschlag von Halle herrscht Entsetzen bei den jüdischen Gemeinden in Baden und Württemberg. „Wir sind erschüttert und trauern mit den Angehörigen und Freunden der Opfer“, sagte Rami Suliman, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG Baden) in einer Mitteilung vom Donnerstag. Auch in Deutschland seien Anschläge möglich: „Die mörderische Gewalt hat uns erreicht.“

Die IRG Baden sei mit dem Land und den Landespolizeikräften im Gespräch wegen notwendiger Änderungen an der Sicherheitsstruktur jüdischer Einrichtungen. Baden-Württemberg habe hinsichtlich der Bekämpfung des Antisemitismus eine Vorreiterstellung eingenommen, betonte Suliman. So sei im Frühjahr 2018 der erste Beauftragte gegen Antisemitismus in Baden-Württemberg berufen worden, seit Juli dieses Jahres liege dem Landtag dessen erster Bericht vor. In der kommenden Woche (17.10.) werde der Landtag über die Umsetzung der Handlungsempfehlungen entscheiden.

Die zehn jüdischen Gemeinden in Baden vertreten das Leitbild des offenen Hauses. Jeder sei willkommen. „Leider müssen wir unsere Gebäude aber auch schützen, wie der Anschlag in Halle und anderen europäischen Städten gezeigt hat“, so Suliman. Bei dem Angriff in Halle hatte ein Mann am Mittwoch nahe der Synagoge zwei Menschen erschossen. Am Mittwoch hatte ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, in der Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter Dutzenden Gläubigen anzurichten. Der 27-jährige Deutsche wollte nach Angaben aus Sicherheitskreisen die Synagoge mit Waffengewalt stürmen, scheiterte jedoch. Danach soll er zwei Menschen erschossen haben.