Stuttgart / DPA  Uhr

Der islamische Religionsunterricht für rund 6000 Schüler in Baden-Württemberg wird zum neuen Schuljahr unter dem Dach einer Stiftung fortgeführt. Die grün-schwarze Landesregierung signalisierte am Dienstag, dass die Stiftung zum 1. August an den Start gehen soll. Die CDU-Fraktion stimmte schon am Dienstag zu - die Grünen-Fraktion teilte mit, ebenfalls den Weg frei machen zu wollen. Nach den Worten von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) soll das Konzept am Dienstag (16.7.) durchs Kabinett.

Das Modellprojekt für den islamischen Religionsunterricht läuft Ende dieses Schuljahres aus. Übernehmen soll eine Stiftung unter dem Dach des Landes. In der Koalition war zuletzt die Einbindung des Zentrums für Islamische Theologie an der Uni Tübingen strittig. In dem Zentrum werden Religionslehrer für Gymnasien ausgebildet. Für die Lehrer an allen anderen Schulen sind die Pädagogischen Hochschulen zuständig.

Für das Zentrum für Islamische Theologie soll es nun eine Übergangsfrist geben: Seine Lehrerausbildung soll erst zum 1. August 2020 unter das Dach der Stiftung kommen. Problem ist bislang, dass die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) zwar an dem Tübinger Zentrum für Islamische Theologie beteiligt ist, aber bei der Stiftung für den Religionsunterricht nicht mitmachen will. Hier soll nun innerhalb eines Jahres eine Lösung gefunden werden.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart sprach von einem „Durchbruch“ beim Thema islamischer Religionsunterricht. „Unter dem Dach der Stiftung wird zukünftig alles stattfinden.“ Der grüne Koalitionspartner habe sich dabei auf die CDU zubewegt. Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser sagte: „Wir wollen vor der Sommerpause den Weg frei machen für das neue Stiftungsmodell.“

Ditib stand wegen des Einflusses der türkischen Behörden in der Kritik. Neben Ditib nimmt auch die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) nicht an der Stiftung teil. Hingegen wollen der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland mitmachen.

Damit der islamische Religionsunterricht zum Regelunterricht werden kann, braucht der Staat einen verbindlichen Ansprechpartner, der als Träger des Unterrichts unter staatlicher Aufsicht fungiert. Die Regierung will eine Stiftung als Schulrat einrichten, weil sie in den Verbänden keinen einheitlichen Ansprechpartner sieht.