Stuttgart Interesse an privaten Schulen nimmt zu

Der Schulleiter der Schule Schloss Salem, Bernd Westermeyer, profitiert mit seiner Einrichtung vom steigenden Interesse an privaten Schulen.
Der Schulleiter der Schule Schloss Salem, Bernd Westermeyer, profitiert mit seiner Einrichtung vom steigenden Interesse an privaten Schulen. © Foto: dpa
Stuttgart / DPA 24.03.2016
Die Zahl der privaten Schulen ist in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg bewertet diesen Trend kritisch.

Das Interesse an privaten Schulen in Baden-Württemberg wächst: Während im Jahr 2000 rund 78.000 Schüler eine private Schule besuchten, waren es nach Angaben des Statistischen Landesamts 2014 knapp 103.000 Schüler. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Schüler stieg von sechs auf mehr als neun Prozent. Die Zahl der privaten Schulen erhöhte sich in dem Zeitraum von 267 auf 401.

Manche sehen diese Entwicklung kritisch. Generell sei es ein alarmierendes Signal, wenn Privatschulen und Internate Zuwachs hätten, sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, Matthias Schneider. "Das ist meist ein Zeichen dafür, dass Mängel im öffentlichen Schulsystem auftreten." Eltern schickten ihre Kinder unter anderem wegen der zum Teil kleineren Klassen auf Privatschulen, sagte Schneider. Zudem gebe es eine größere Anzahl von Ganztagsschulen bei den Privatschulen, so dass eine längere Betreuung für die Kinder gewährleistet sei. Bei manchen Eltern spiele auch eine Angst vor der "sozialen Mischung in den öffentlichen Schulen" eine Rolle.

Hat die Bildungspolitik im Südwesten der vergangenen Jahre womöglich diesen Trend zu Privatschulen beeinflusst? Eigentlich nicht sehr stark, sagt der Schulleiter der Schule Schloss Salem, Bernd Westermeyer. "Es ist immer wieder so, dass Privatschulen davon profitieren, dass Eltern mit den Schulen im öffentlichen Schulwesen nicht glücklich sind. Das mag auch daran liegen, dass es bildungspolitische Entwicklungen gibt, die den Menschen nicht behagen. Aber wir halten uns aus den Händeln der jeweiligen Legislaturperioden möglichst heraus, sofern uns diese Fragen nicht unmittelbar betreffen."

Für diese Einschätzung spricht, dass nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit immer mehr Privatschulen existieren. Im Schuljahr 2014/15 habe es 5770 allgemeinbildende und berufliche Privatschulen gegeben, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Im Vergleich zum Schuljahr 1992/93 sei das ein bundesweiter Anstieg von 78,5 Prozent.

Die Zahl der Privatschulen habe sich sogar noch weiter erhöht, als die Gesamtzahl aller Schulen aufgrund der drastisch gesunkenen Geburtenzahlen Ende der 1990er-Jahre zurückging. "So sank vom Jahr 2000 bis 2014 die Zahl der Schulen um 17,7 Prozent, die Anzahl der Privatschulen stieg in demselben Zeitraum um 41,7 Prozent", teilte die Behörde mit.

Eine bildungspolitische Entscheidung hatte allerdings deutliche Auswirkungen für die Privatschulen: die Reduzierung der gymnasialen Schulzeit von neun auf acht Jahre. Die Schule ist dadurch um einen Jahrgang reduziert worden, sagt Westermeyer. "Ein Oberstufenjahrgang, das sind etwa 90 Plätze à 35.000 Euro. Man kann sich vorstellen, dass das eine erhebliche Mindereinnahme war. Es war auch nicht möglich, analog die Fixkosten abzusenken. Also musste sich die Schule sehr schnell überlegen, wie man einen Ausgleich schaffen kann." Gelungen sei dies unter anderem durch die Einführung von internationalen Klassen.

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