Die Sicherheitslage in Baden-Württemberg hat sich weiter verschärft“, erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Donnerstag bei der Präsentation des Verfassungsschutzberichts 2016. „Wir haben eine Terrorlage.“ Der Kampf gegen islamistischen Extremismus bleibt Arbeitsschwerpunkt des Landesamts für Verfassungsschutz, doch daneben gibt es neue Themen: Den „Reichsbürgern“ bestätigte Präsidentin Beate Bube eine „sehr erhöhte Gewaltbereitschaft. Beim Rechtsextremismus verzeichnen die Sicherheitskräfte eine leichte Entspannung.

Mit 3527 potentiellen Gefährdern beobachtete das Landesamt 2016 etwas mehr Islamisten als in den Vorjahren. 120 werden dem gewaltbereiten Spektrum zugerechnet. Spezielle Sorgen bereitet den Verfassungsschützern die Ausreise von Dschihadisten nach Syrien und Irak. Bis Mai 2017 hatten deutsche Behörden Hinweise auf 930 solche Reisen, davon etwa 50 aus dem Südwesten. Rückkehrer, die nicht desillusioniert seien, bezeichnete Strobl als tickende Zeitbomben. Als Frühwarnsystem sei das Landesamt für Verfassungsschutz mit 30 zusätzlichen Stellen zur Terrorbekämpfung ausgestattet worden.

Der Zuzug von Flüchtlingen habe zu einer Zunahme fremdenfeindlicher Agitationen geführt, erklärte Bube. Rechtsextrem motivierte Straftaten gegen Asylunterkünfte wurden 71-mal verzeichnet. Insgesamt jedoch sind beim Rechtsextremismus sowohl die Anzahl der Personen als auch die der politisch motivierten Straftaten zurückgegangen. 1700 Rechtsextremisten verzeichneten die Verfassungsschützer. Das Amt registrierte 1371 rechtsextrem motivierte Straftaten (2015: 1484). Die Zahl der Gewalttaten sank dabei von 71 auf 44. Die Szene der „Reichsbürger“ im Land wird mit rund 1500 angegeben.

Im Bereich der extremen Linken stieg die Zahl der politisch motivierten Straftaten von 522 auf 559. Die Eskalation des Konflikts zwischen Nationalisten und der kurdischen PKK in der Türkei hat in Baden-Württemberg ebenfalls gewalttätige Auseinandersetzungen bewirkt; auch dabei kam es zu Übergriffen auf die Polizei.

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rechtsextreme Straftaten gegen Asylunterkünfte gab es 2016 im Land. 2015 zählten die Behörden 70.