In Züri guck i in die Röhri

Fabian Ziehe 13.12.2016

In die Sonne, ins Licht – die Bahn machts’s möglich. Soll heißen der neue Gotthard-Basis-Tunnel, ganz kurz auch GBT genannt: Ein Mal Luft holen und, huiiii, schon ist man unter den Alpen hinweg in Milano! Scala, Dom, Santa Maria delle Grazie – und Sonne, Sonne, Sonne! Dreieinhalb Stunden für Zürich–Mailand, 45 Minuten schneller als früher. Tu felix Helvetia!

Und du unglückliches Schwaben! Von Stuttgart aus geht es über eine rumpelige Gäubahnstrecke gen Zürich – na ja, immerhin gibt es ja in der Trassenausbau-Sache endlich Licht am Ende des Tunnels. Die Bahn scheint auch vergessen zu haben, dass man in der Schweiz in puncto Licht am Ende des Tunnels schon viel weiter ist.

Der neue DB-Fahrplan hat die schnelle Verbindung nach Norditalien nicht auf dem Zettel. So werden am frühen Morgen Verbindungen vorgeschlagen, die die direkte Linie Stuttgart-Zürich-Mailand ignorieren. Die erste führt ab 5.51 Uhr über Mannheim und Basel zum Ziel. Drei Minuten später geht es via Ulm nach Memmingen – und dann weiter per Bus!

Ab 8.29 Uhr endlich: die erste Verbindung via Gäubahn und GBT. Einmal umsteigen bei 8 Stunden 6 Minuten Fahrzeit klingt gut. Doch ging es bislang eine Stunde schneller – ohne Super-Tunnel. Grund ist die Umsteigezeit in Zürich, auch bei den Zügen ab 10.29, 12.29 und 14.29 Uhr: Immer sind es 1 Stunde 44 Minuten. Und auf der Rückfahrt ist die Zwangspause genauso lang. Macht 45 Minuten Zeitgewinn bei stolzen 104 Minuten Wartezeit: statt einem Lichtblick also ein Blick in die Röhre. Fabian Ziehe