Stuttgart/Göppingen Immer weniger junge Menschen machen den Autoführerschein

In Baden-Württemberg geht die Zahl der Führerschein-Neulinge kontinuierlich zurück.
In Baden-Württemberg geht die Zahl der Führerschein-Neulinge kontinuierlich zurück. © Foto: Oliver Schulz
Stuttgart/Göppingen / JOCHEN WEIS 15.09.2016
Immer weniger junge Menschen machen den Führerschein. Ausdruck eines Umdenkens in Sachen Mobilität, sagt Grünen-Parlamentarier Matthias Gastel.

  „Der Stellenwert des Autos sinkt und Mobilität wird heute anders, nämlich vernetzter zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln gedacht und praktiziert“, sagt Matthias Gastel, Grünen-Bundestagsabgeordneter aus Filderstadt, der auch den Kreis Göppingen für seine Partei betreut.  Was ihn zu dieser Aussage veranlasst, ist ein Trend: Immer weniger junge Menschen machen anteilsmäßig an ihrer Altersgruppe den Autoführerschein – ein Phänomen, dass sich laut Gastel auch in anderen europäischen Ländern und in den USA beobachten lässt.

Der Abgeordnete hat die Daten der vergangenen 15 Jahre für die Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen respektive – seit 2008 – der 17- bis 21-Jährigen für Baden-Württemberg sowie für fünf Landkreise in der Region Stuttgart ausgewertet. Mit dem eindeutigen Ergebnis: Die Zahl der Führerscheinneulinge geht nach einem anfänglichen Anstieg seit Jahren kontinuierlich zurück. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: 2001 machten in Baden-Württemberg noch 23,1 Prozent aller Jungerwachsenen den Autoführerschein, 2004 waren es 24,1 Prozent, im vergangenen Jahr in der Altersgruppe 17 bis 21 Jahre nur noch 15,8 Prozent.

Eine Entwicklung, die laut Gastel „grundlegende gesellschaftliche Veränderungen“ offenbart: „Die emotionale Bedeutung des Autos sinkt. Mit der jungen Generation setzt ein gesellschaftliches Umdenken ein, in dem das Auto an Stellenwert verliert“, sagt der Abgeordnete. Das Automobil bleibe zwar wichtig, werde aber immer mehr als ein mögliches Element unterschiedlicher, immer häufiger miteinander kombinierter Verkehrsmittel betrachtet.

Wobei nach wie vor ein Stadt-Land-Gefälle deutlich wird: In der Landeshauptstadt ist der Rückgang am stärksten – von 22,2 Prozent im Jahr 2001 auf zuletzt noch 10,6 Prozent. „Damit weist die Landeshauptstadt den stärksten Rückgang bei der Entwicklung der Pkw-Führerscheine auf. Vermutlich spielen hier das dichte ÖPNV-Netz in Stuttgart eine wichtige Rolle“ und die „gestiegenen Kosten für Führerschein und Auto“, sagt Gastel. „Auf dem Land werden zirka 35 Fahrstunden und in der Stadt zirka 50 Fahrstunden benötigt, um eine praktische Fahrprüfung zu bestehen.“ Ohnehin sei für das staugeplagte Stuttgart auffällig, dass der Autoverkehr dort nicht mehr wächst, sondern sogar minimal rückläufig sei.

Bei der aktuellen Entwicklung spielt die digitale Technik laut Gastel bereits eine tragende Rolle: „Gemeinsam mit der Ausbreitung der Smartphones lassen sich unterschiedliche Verkehrsträger verknüpfen“, sagt er. „Von unterwegs aus lassen sich Fahrpläne aufrufen und Mitfahrgemeinschaften oder Mietfahrräder organisieren.“ Noch relativ neu, aber bei den Jüngeren erfolgreich seien zudem die Fernbusse.

Politik und Verkehrsbetriebe sind gefordert

Anforderungen Wegen des sich ändernden Mobilitätsverhaltens, sprich: einer geringer werdenden Bedeutung des Automobils, sieht der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel die Politik und Verkehrsunternehmen verstärkt in der Pflicht. Vordringlich ist demnach der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Darunter fällt beispielsweise eine Verbesserung der Taktfrequenz auf der Schiene, ebenso des Bahn-Netzes. Als Beispiel nennt Gastel den Metropolexpress auf der Filstallinie ab 2019. Außer einer besseren Verzahnung der öffentlichen Verkehrsmittel ist laut Gastel ein Ausbau der Fahrgastinformationssysteme – beispielsweise Anzeigetafeln und verlässliche Bahnsteigdurchsagen – notwendig. eis

Politik und Verkehrsbetriebe sind gefordert

Anforderungen Wegen des sich ändernden Mobilitätsverhaltens, sprich: einer geringer werdenden Bedeutung des Automobils, sieht der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel die Politik und Verkehrsunternehmen verstärkt in der Pflicht. Vordringlich ist demnach der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Darunter fällt beispielsweise eine Verbesserung der Taktfrequenz auf der Schiene, ebenso des Bahn-Netzes. Als Beispiel nennt Gastel den Metropolexpress auf der Filstallinie ab 2019. Außer einer besseren Verzahnung der öffentlichen Verkehrsmittel ist laut Gastel ein Ausbau der Fahrgastinformationssysteme – beispielsweise Anzeigetafeln und verlässliche Bahnsteigdurchsagen – notwendig. eis

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