Jedes Jahr, bevor Eberhard Landes seine Erntehelfer zum Bärlauch-Sammeln losschickt, macht er mit ihnen erst einmal eine Tour durch den Wald. Der Diplomagraringenieur aus Oedheim (Kreis Heilbronn) lehrt die Sammler, das begehrte Kraut von ähnlichen Pflanzen zu unterscheiden. Und auch privaten Sammlern empfiehlt er, sich erst mal kundig zu machen.

"Die Warnungen sind schon berechtigt", sagt Landes, der mit Genehmigung der Naturschutzbehörde ausgesuchte Flächen ausbeuten darf. Normale Sammler dürfen nur für den Eigenbedarf ernten. Nach dem Landeswaldgesetz ist lediglich erlaubt, einen Handstrauß Bärlauchblätter mit nach Hause nehmen.

Jetzt sprießen wieder die Bärlauchblätter, die Saison hat begonnen. Doch auch Maiglöckchen und Herbstzeitlosen wuchern, und Laien können sie leicht mit Bärlauch verwechseln. Der Bärlauch hat zwar zum Unterschied von Maiglöckchen und Herbstzeitlose einen intensiven Geruch, weshalb man ihn auch Knoblauchspinat, wilder Knoblauch und Waldknoblauch nennt. Der Geruch ist unverwechselbar, wenn ein Blatt zwischen den Fingern zerrieben wird. Doch wer schon den Geruch an den Fingern hat, dessen Nase lässt sich leicht in die Irre führen. Deshalb bringt der Kniff laut Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne) keine hundertprozentige Sicherheit.

Eine Verwechslung kann schlimme Folgen nach sich ziehen. Im Frühjahr 2004 hat ein altes Ehepaar in Reutlingen Herbstzeitlose mit Bärlauch verwechselt, sich daraus eine Mahlzeit bereitet und ist daran gestorben. Das Zellgift Colchizin in der Zeitlose verursacht nach mehreren Stunden Vergiftungserscheinungen in Form von Übelkeit und Erbrechen. Heftige Durchfälle folgen. Das Gift zerstört Darm-, Blut- und Knochenmarkszellen und kann so zum Tode führen.

Als Landes vor zehn Jahren angefangen hat, mit Bärlauch zu handeln, kannten viele Leute das Kraut noch gar nicht. Doch dann begann der Siegeszug des Bärlauchs in den Feinschmeckerküchen. Mit Bärlauch verfeinerte Spätzle, Knödel, Brote und Suppen kamen auf die Tische, aber auch Bärlauch-Pesto. Inzwischen, sagt Landes, sei der Bärlauch-Hype vorüber, "denn man kann sich daran auch überessen".