Kommentar Urteil: Hussein K. hat keine Milde verdient

SWP-Redakteur Roland Müller
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Freiburg / Roland Müller 22.03.2018
Hussein K. hat keine Milde verdient, die Höchststrafe ist richtig. Nun kommt es darauf an, die richtigen Lehren zu ziehen.

Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld plus Sicherungsverwahrung: Ein härteres Urteil kann es für einen Mörder in Deutschland kaum geben – ein milderes Urteil wäre für Hussein K. kaum denkbar gewesen. Die Heimtücke des Mordes an der 19-jährigen Studentin Maria L., die mangelnde Reue des Täters, die Vorstrafen, die ständigen Lügen über sein wahres Alter: Im Prozess hat Hussein K. nichts angeboten, die These zu entkräften, dass er eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Die Chancen, dass er jemals wieder frei kommt, sind gering.

Der Rechtsstaat hat gezeigt, dass er Verbrechen, die ein Land erschüttern, angemessen ahnden kann. Das ist kein Anlass für Genugtuung – es ist eine Selbstverständlichkeit.

Die unangenehmeren Fragen aber kann kein Gericht beantworten. Warum ließen sich Staat und Behörden so gutgläubig täuschen, dass sie einen vorbestraften Erwachsenen wie einen Jugendlichen behandelten? Wie kann man verhindern, dass der Fall keine noch größere Belastung für die Integration wirklich schutzbedürftiger Flüchtlinge wird? Wie schafft man es, dass Hetzer nicht den Zusammenhalt der Gesellschaft weiter zerstören?

Eine kleine, große Antwort haben die Eltern des Opfers von Freiburg gegeben: Am Tag vor dem Urteil kündigten sie an, eine Stiftung im Namen ihrer Tochter zu gründen. Sie soll unter anderem helfen, ausländischen Medizin-Studenten die Integration an der Uni zu erleichtern. Ein Zeichen der Weltoffenheit im Angesicht großen Leids, ein Impuls zur Verbesserung der Gesellschaft statt sinnlosen Hasses: Dafür steht Maria L., das Mordopfer, nun mit ihrem Namen: Maria Ladenburger.