Berlin/Stuttgart / DPA  Uhr

Hunderttausende Beschäftigte aus Deutschland pendeln regelmäßig ins Ausland zum Arbeiten. So gab es laut einer europäischen Statistik im vergangenen Jahr 282 100 Pendler ins Ausland. Die Erhebung der Statistikbehörde Eurostat, nach der die Linke im Bundestag gefragt hatte, lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. In den vergangenen zehn Jahren schwankte die Zahl zwischen 259 300 und 289 000. 2002 waren es erst 86 400 Pendler ins Ausland. Der deutsche Südwesten nimmt eine Spitzenposition ein.

In absoluten Zahlen gab es mit 78 300 Pendlern in Baden-Württemberg den größten Pendlerstrom ins Ausland, wobei die Schweiz hier die wichtigste Rolle spielen dürfte. Die Zahl liegt im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Zum Vergleich: 2017 wurden 77 900 Pendler gezählt, 2016 waren es 80 900 Pendler. In den Jahren zuvor weist die Statistik 83 400 (2015) und 76 000 (2014) Pendler aus.

Im längeren Zeitraum betrachtet ist die Zahl der Pendler im deutschen Südwesten gestiegen. Vor zehn Jahren, 2009, waren es 63 200, vor 20 Jahren 32 800 Pendler.

Die Nähe zur Schweiz und zu Frankreich spielt eine entscheidende Rolle. Der Regierungsbezirk Freiburg, an der Grenze zu beiden Nationen gelegen, verzeichnete im vergangenen Jahr 64 500 Pendler und damit die höchste Zahl aller Regionen Baden-Württembergs. Dies war den Statistikern zufolge auch in den Jahren zuvor so.

In Nordrhein-Westfalen waren es 44 000 Auslandspendler 2018, in Rheinland-Pfalz 42 100 und in Bayern 38 200.

Innerhalb Deutschlands pendeln laut einer anderen Statistik der Bundesagentur für Arbeit rund 12,8 Millionen Beschäftigte in einen anderen Kreis. Aus dem Ausland pendeln diesen Angaben zufolge insgesamt 212 500 Personen zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Deutschland ein.

EU-weit gab es laut Eurostat 2018 rund 2,15 Millionen Pendler ins Ausland. 445 100 waren es laut der Erhebung in Frankreich, aus Polen pendelten vergangenes Jahr 214 400 Menschen unter anderem nach Deutschland. Nach Angaben von Eurostat ziehen Regionen mit höheren Löhnen und mehr freien Stellen Grenzgänger an.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, sagte: „Grundsätzlich ist der Preis des Pendelns und der erhöhten Mobilität zunehmender Stress, bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.“ Für das Familienleben sei Pendeln oft eine große Belastung. „Den Druck, mobil zu sein und weite Wege zum Arbeitsplatz zurücklegen zu müssen, spüren immer mehr Menschen in der Europäischen Union“, sagte Zimmermann. Nötig seien mehr gemeinsame Arbeitsmarkt- und Lohn-Standards in der EU.