Freiburg Hunderte Male missbraucht

Vor dem Landgericht in Freiburg wird ein schwerer Missbrauchsfall verhandelt. Das Urteil soll Anfang kommender Woche fallen.
Vor dem Landgericht in Freiburg wird ein schwerer Missbrauchsfall verhandelt. Das Urteil soll Anfang kommender Woche fallen. © Foto: dpa
JUDITH HOPPERMANN, DPA 12.01.2016
Nahezu täglich musste eine Minderjährige Missbrauch, Misshandlungen und Demütigungen ertragen. Nun steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Der 36-Jährige lebte im selben Haushalt.

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 301 Fällen hat vor dem Landgericht Freiburg am Montag der Prozess gegen einen 36 Jahre alten Mann begonnen. Mehr als ein Jahr lang habe der Angeklagte die zunächst 12 Jahre alte Tochter seiner Lebensgefährtin nahezu täglich sexuell misshandelt, sagte Staatsanwalt Thorsten Krapp zum Prozessauftakt. Zudem habe er sie mehrfach geschlagen - und später sogar zur Prostitution gezwungen. Der Angeklagte wies die Vorwürfe allerdings zurück. Der Mann lebte mit dem Opfer und dessen Mutter gemeinsam in einer Wohnung südlich von Freiburg. Seit einem halben Jahr sitzt er in Untersuchungshaft.

Der sexuelle Missbrauch ereignete sich laut Anklage von März 2013 bis Juni 2014, wie der Staatsanwalt sagte. Im Frühjahr 2015 habe der Mann das dann 14 Jahre alte Mädchen bei einem Aufenthalt in Paris drei Monate lang fast täglich zur Prostitution gezwungen. Er habe ihr das Geld abgenommen und sie zudem körperlich schwer misshandelt. Schließlich gelang dem Mädchen die Flucht, der Mann wurde später festgenommen.

Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung, Menschenhandel und gefährliche Körperverletzung. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann den Angaben zufolge eine Haftstrafe von mehreren Jahren.

Vor Gericht sagte der Mann, an den Vorwürfen sei nichts dran. Das Mädchen habe sie frei erfunden, weil er sich von der Mutter getrennt habe.

Das Landgericht hat für den Prozess bisher zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll demnach bereits Anfang kommender Woche verkündet werden. Gehört werden sollen insgesamt sechs Zeugen. Die Vernehmung des Mädchens soll Gerichtsangaben zufolge unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.