Zwiefaltendorf Hoffnung für Dorfgasthöfe - Ideen von Gästen sollen helfen

Zwiefaltendorf / JULIA KLING 01.08.2013
Im Land müssen immer mehr Dorfgaststätten schließen. Mit einer Postkartenaktion hat das Regierungspräsidium Ideen zum Erhalt der Lokale gesucht. Ob die Ergebnisse die Situation ändern können, ist fraglich.

"Es liegt hauptsächlich an unserer eigenen Brauerei", antwortet Thomas Blank auf die Frage, warum sein Dorfgasthof so gut läuft. Der Wirt des "Rössle" in Zwiefaltendorf kann sich nicht über mangelnden Umsatz beklagen. "Zur Zeit läuft es überdurchschnittlich gut", bestätigt sein Vater Karl Blank. Das "Rössle" ist eine Dorfwirtschaft wie aus dem Bilderbuch. Holzvertäfelte Wände, Zinnteller und Fenster mit bunten Brauereimotiven zeigen, dass hier auf Tradition Wert gelegt wird. Rund 36 000 Dorfgasthäuser dieser Art gibt es noch in Deutschland.

Doch nicht alle Wirte sind mit ihrer Lage so zufrieden wie die Blanks. In den vergangenen zehn Jahren mussten etwa 12 000 Gaststätten schließen. In Baden-Württemberg ist die Situation vor allem im ländlichen Raum schwierig. Ein Beispiel ist der "Adler" in Großholzleute bei Isny. Das Traditionshaus mit Geschichte steht seit mehr als zwei Jahren zum Verkauf - bislang ohne Erfolg.

"Die Dorfkerne sind oft wie ausgestorben", sagt Hermann Strampfer, Präsident des Regierungsbezirks Tübingen. Gründe für den stetigen Rückgang sieht er im demographischen Wandel, aber auch in veränderten Lebensgewohnheiten. "Die Leute arbeiten oft in der Stadt und kommen nur noch zum Schlafen nach Hause. Da rentiert sich so ein Gasthof schnell nicht mehr." Doch auch Vereinsheime und Dorfgemeinschaftshäuser können zu Konkurrenz für die Wirte werden.

Um das Aussterben dieser Gaststättenkultur gerade im ländlichen Raum zu verhindern, hat das Regierungspräsidium gemeinsam mit dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und dem SWR eine Postkartenaktion mit dem Titel "Dorfgasthäuser von morgen - wir suchen Ihre gute Idee!" gestartet. 50 000 Postkarten lagen in Dorfgasthäusern und Gemeinden aus. Besucher sollten sagen, was ihnen an den Lokalen gefällt, Verbesserungsvorschläge anbringen und ihre Lieblingsdorfgaststätte benennen. 1700 solcher Postkarten gingen wieder beim Regierungspräsidium ein.

Regionale Gerichte sind den Gästen demnach am wichtigsten. "Aber auch Biergärten und eine Wohlfühlatmosphäre tragen dazu bei, dass die Besucher gerne kommen", erklärt Carsten Dehner, Sprecher des Regierungspräsidiums. Die beste Idee, wie Gasthäuser wieder Gäste gewinnen können, war nach Meinung der elfköpfigen Jury, mehr kulturelle Veranstaltungen wie Live-Musik oder Mundartabende zu organisieren. Ein Punkt, der auch Dehoga-Präsident Peter Schmid wichtig ist: "Wirte müssen über den Tellerrand schauen und uns am Dorfleben beteiligen."

Eine zweite Möglichkeit ist für Schmid die Regionalität. "Wir müssen uns den Regional-Trend zu Nutze machen." Das könnten kleine Dorfläden mit Waren aus der Umgebung oder eine regionale Küche sein. "Wer braucht schon ein argentinisches Steak - hier gibt es Spezialitäten wie Schnecken oder Streuobstwiesen", meint Schmid. Wenn sich Blank die Vorschläge anschaut, kann er zufrieden sein. Ein Biergarten gehört bereits zu seinem Wirtshaus und erst Anfang der Woche gab es einen spontanen Musikabend in der Gaststube. Senior Kurt Blank ist noch ganz begeistert: "So eine Stimmung habe ich schon lange nicht mehr in unserem Haus erlebt." Sonntags bleibt das "Rössle" aber geschlossen. Eine Entscheidung, die Thomas Blank die Übernahme erleichtert hat und von den Gästen nicht abgestraft wurde.

Doch bei aller Euphorie darf eines nicht vergessen werden: Bei der Postkartenaktion haben nur diejenigen mitgemacht, die bereits in die Gasthäuser gehen. Bei den zurückgesandten Postkarten zeigt sich: Der durchschnittliche Besucher ist über 50 Jahre alt, nur 17 Prozent waren unter 40. Was können die Wirte aber tun, um diejenigen zu ködern, die den Weg in den ehemaligen Dorfmittelpunkt erst wieder finden müssen? Also jüngere Gäste und Familien. Darauf gibt diese Befragung keine Antworten. Das unterstreicht auch Eckart Frahm von der Tübinger Universität: "Die Aktion kann nur ein Anfang sein."

Strampfer sieht die Situation dennoch positiv. "Die Chancen sind so gut wie schon lange nicht mehr."

Adler, Hirsch und Krone liegen vorn