Bei der Versorgung mit schnellem Internet greift das Land den Kommunen im Südwesten künftig stärker unter die Arme. Der Bau von Hochgeschwindigkeitsnetzen könne nun zu durchschnittlich 70 Prozent statt 50 Prozent gefördert werden, gab der Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), am Mittwoch in Stuttgart bekannt. "Wir glauben, dass wir noch einmal einen richtigen Schub im Ausbau des Breitbandes bekommen", sagte Bonde.

Die EU habe am Montag grünes Licht für das Vorhaben gegeben. Neben einer höheren Förderpauschale für den Bau gebe es ab sofort auch Zuschüsse für die Pacht von Leitungen oder die Mitbenutzung vorhandener Infrastruktur. Zudem könne das Land erstmals auch direkt Baumaßnahmen von Landkreisen fördern. Die Rahmenbedingungen seien gegeben - "nun brauchen wir Aktivitäten der Kommunen", forderte Bonde.

Beispiele gibt es: So habe der Ostalbkreis erstmals eine interkommunale Netzplanung entwickelt, um für alle 42 Kommunen den Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes anzugehen, sagte Landrat Klaus Pavel (CDU). Das Projekt werde voraussichtlich zu 60 Prozent vom Land finanziert und im Frühjahr 2016 beginnen. "Jetzt haben wir ideale Voraussetzungen zum Ausbau mit Glasfaser", sagt Pavel über die neuen Förderungsrichtlinien.

Insgesamt 250 Millionen Euro sollen laut Bonde bis 2018 in den Ausbau des Breitbandes in Baden-Württemberg fließen. 31,7 Millionen Euro werden jährlich vom Land bereitgestellt, der Rest vom Kommunalinvestitionsförderungsfonds und den Erlösen der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen. Die CDU zeigte sich erfreut über die höhere Förderung. Allerdings sei dies wesentlich auf die Unterstützung des Bundes zurückzuführen, sagte der netzpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Andreas Deuschle. CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf hatte zuvor gesagt, in der nächsten Legislaturperiode sollten 500 Millionen Euro in den Breitbandausbau investiert werden.

Der FDP gehen die Mittel nicht weit genug: Die 250 Millionen Euro seien im Vergleich zu den Investitionen von Bayern - 1,5 Milliarden Euro - "beschämend", teilten der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Rülke, und der Sprecher für den Ländlichen Raum, Friedrich Bullinger, mit.

Schnelles Internet

DSL-Anschlüsse Bandbreiten mit zwei Megabit je Sekunde, die von der Landesregierung als Grundversorgung deklariert wird, sind kaum noch zeitgemäß. Die meisten DSL-Anschlüsse - zumindest in den Städten - liefern mindestens 16 Megabit je Sekunde. Für höhere Bandbreiten bis 50 Megabit oder mehr, gibt es inzwischen eine Reihe Techniken.

Mobilfunk Via Mobilfunk werden hohe Bandbreiten bis zu 50 Megabit mit Hilfe des neuen Mobilfunkstandards Long Term Evolution (LTE) erreicht. Unter anderem um ihre Netze damit aufzurüsten, haben die Anbieter in diesem Jahr neue Funkfrequenzen ersteigert.

Glasfaser Insbesondere Unternehmen verlassen sich vor dem Hintergrund der wachsenden Digitalisierung und riesiger Datenmengen, die verschickt werden müssen, nur auf Glasfaserleitungen.

Zu teuer Im Privatkundenbereich gilt ein flächendeckender Glasfaserausbau bis in die Wohnungen (Fiber to the Home) aber als nicht realisierbar, weil dafür Milliarden Euro notwendig wären. Stattdessen arbeiten sich die Anbieter so nah wie möglich an die Gebäude vor. Die schnellen Leitungen reichen meist bis zu den Kabelverzweigern, den grauen Kästen in den Straßen. Je näher der Kasten dann am Haus steht, desto schneller die Verbindung. "Fiber to the Curb" (FTTC) nennt sich diese Variante - die Telekom nennt das VDSL.