Denkmalschutz Historiker befürchtet „Bunkersterben“

Ein Historiker hat vor einem „Bunkersterben“ gewarnt.
Ein Historiker hat vor einem „Bunkersterben“ gewarnt. © Foto: Uwe Anspach/dpa
lsw 02.01.2018
Vor einem „Bunkersterben“ im Südwesten und einem Verlust an geschichtlicher Substanz hat Historiker Klaus Jürgen Becker gewarnt.

Vor einem „Bunkersterben“ und einem Verlust an geschichtlicher Substanz hat der Historiker Klaus Jürgen Becker gewarnt. Die Betonbauten aus dem Zweiten Weltkrieg stünden oft an Stellen, die die Kommunen verkehrstechnisch umplanen wollten – und würden deshalb zur Debatte gestellt, sagte der Geschäftsführer des neuen Arbeitskreises Bunkermuseum Ludwigshafen. Dabei seien sie ein „sehr gutes Medium“, um den Nationalsozialismus zu erklären und sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen.

Während ein Abriss bis vor einigen Jahren noch viel zu teuer gewesen sei, sei das inzwischen kein großes Problem mehr. Deshalb bestehe „permanent die Gefahr auch des Bunkersterbens und damit auch der Entsorgung der Geschichte, ohne dass sie vernünftig aufgearbeitet wird. Und das ist genau das, was wir nicht wollen“ sagte Becker, der auch stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Ludwigshafen ist. Der im Februar gegründete Arbeitskreis tritt dafür ein, in Ludwigshafen „mindestens einen Bunker, besser zwei“ als Museum zu erhalten. Becker wies darauf hin, dass in mehreren deutschen Städten bereits Bunker als Museen genutzt werden, etwa in Mannheim.

Abriss teurer als Sanierung?

Die Abrissgefahr droht nach Beckers Worten deutschlandweit. „Vor 20 Jahren wurde noch eine Brücke um den Bunker gebaut, und heute kann er halt fallen. Und je mehr Bunker fallen, desto mehr ändert sich natürlich das Stadtbild, aber auch die Möglichkeit der Auseinandersetzung“, sagte er. Die Betonbauten seien zum Teil noch in dem Zustand, in dem sie 1945 verlassen worden seien, zum Beispiel was die Inschriften anbelange. Würden sie beseitigt, dann gehe auch Archäologie verloren. Wenn heute ein Römerkastell ausgegraben werde, stehe zunächst auch die Spurensicherung an. Aber bei Bunkern denke daran keiner. „Da kommt die Spitzhacke, und das war es.“

Als aktuelles Beispiel nannte der 54-Jährige einen Bunker an einer S-Bahn-Station in Mannheim. Eine Sanierung ist nach seiner Darstellung mit 400.000 Euro um 300.000 Euro günstiger als der Abriss.

Die Bauwerke entstanden nach Angaben des Historikers verstärkt im Westen Deutschlands, weil der für die alliierten Bomber leichter zu erreichen war. Die Bunker dienten demnach zunächst vor allem zum Schutz der Fabrikarbeiter und -arbeiterinnen in der Rüstungsproduktion. Sie seien aber relativ schnell auch für die übrige Bevölkerung geöffnet worden, „weil man festgestellt hat, dass die zahlreichen privaten Luftschutzräume, die vorrätig waren, der Bevölkerung keinen ausreichenden Schutz bieten werden“.