Stuttgart 21 Hermann: Größte Fehlentscheidung der Geschichte

Winfried Hermann: Teuer ohne Vorteil.
Winfried Hermann: Teuer ohne Vorteil. © Foto: Volkmar Könneke
Berlin/Stuttgart / Dorothee Torebko 07.06.2018
Nach Ansicht des grünen Ministers könnte Ex-Bahnvorstand Sarrazin in Sachen Kostenexplosion bei S 21 richtig liegen.

Die Deutsche Bahn hat die Vorwürfe von Thilo Sarrazin, die Bahn habe bereits 2001 von der Kostenexplosion des Großprojekts Stuttgart 21 gewusst, zurückgewiesen. Der ehemalige Vorstand der DB-Netzgesellschaft hatte vor der Anhörung im Bundestagsverkehrsausschuss am kommenden Montag, zu der er als Experte von der AfD geladen ist, verkündet: „Im Sommer 2001 war völlig klar, dass die wie immer berechnete Wirtschaftlichkeit des Projekts Stuttgart 21 in sich zusammenbrechen würde, wenn sich nur ein kleiner Teil der Risiken materialisierte.“

„Die Unterstellungen sind haltlos“, sagte ein Bahn-Sprecher der SÜDWEST PRESSE. „Es gab immer eine Bewertung der Kosten durch unabhängige Gutachter und über die Entwicklung wurde der Aufsichtsrat informiert.“ Die Kosten des Tiefbahnhofs, der 2025 fertig werden soll, sind auf bis zu 8,2 Milliarden Euro angestiegen. Ursprünglich sollte das Projekt 2,5 Milliarden kosten.

Auch Vorwürfe der Linken seien unbegründet, sagte der Bahn-Sprecher. Sabine Leidig von den Linken hatte Bahn-Chef Richard Lutz in der „Stuttgarter Zeitung“ vorgeworfen, er habe als Finanzvorstand nicht nur von der Unwirtschaftlichkeit gewusst, sondern auch gelogen. Lutz hatte bei einer Anhörung des Verkehrsausschusses im April erklärt, dass die Kostensteigerung erst im Verlauf des Projekts deutlich wurde. Die Bahn bekräftigt dies. Die Aussagen der Linken seien politisch motiviert und entbehrten jeder Fakten.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte zu den Aussagen Sarrazins: „Was Sarrazin sagt, könnte richtig sein. Er konnte aufgrund seiner Position vieles wissen“, so Hermann.

Sarrazin war zwischen 2000 und 2001 Vorstand bei der Bahn. Seinen Aussagen zufolge, hat er  im Jahr 2000 im Auftrag von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn die geplanten Großprojekte nach Rentabilität berechnet. Dabei habe S 21 den „mit Abstand hintersten Rang“ eingenommen.

Dennoch wurde das Mammutprojekt angestoßen. Grund dafür sei die Zusage der damaligen CDU-Landesregierung, dafür den milliardenschweren Nahverkehrsvertrag für Baden-Württemberg ohne Ausschreibung an die Bahn zu vergeben.

Am Montag wird der Verkehrsausschuss des Bundestags über einen Aus- und Umstieg diskutieren. Für Hermann ist klar, dass es kein Zurück mehr geben wird. Zwei Drittel aller Tunnel seien gebohrt und Stuttgart aufgewühlt. Trotzdem moniert er: „Wir geben einen Haufen Geld aus und versenken einen Bahnhof und haben dadurch keinen Vorteil. Stuttgart 21 ist die größte Fehlentscheidung der Eisenbahngeschichte.“

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