Trotz Demonstrationen gegen Dieselfahrverbote in Stuttgart, Zweifeln von Lungenfachärzten an den Schadstoff-Grenzwerten und Kritik der CDU an Messstation-Standorten hält Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) an seinem Kurs fest: „Ich will die Grenzwerte nicht ändern. Es handelt sich dabei um Vorsorge-Werte zum Schutz der Gesundheit. Die WHO empfiehlt schärfere Grenzwerte, in den USA gibt es schärfere Grenzwerte. Wir sind hier keineswegs Vorreiter.“

Seit Januar gilt in Stuttgart ein Fahrverbot für Euro-4-Diesel, damit setzt das Land entsprechende Gerichtsurteile um. Der Autoverkehr am neuralgischen Neckartor soll zudem noch vor dem Sommer durch eine Extra-Busspur zurückgedrängt werden. „Diese Busspur geht zu Lasten des Autos. Wenn jeder zehnte Autofahrer umsteigt, würde sie funktionieren“, sagte Hermann dieser Zeitung. Andernfalls gilt ab 15. Oktober 2019 ein Einzelstreckenfahrverbot auch für Euro-5-Diesel. Das hat das Land in einem gerichtlichen Vergleich mit Anwohnern des Neckartors zugesagt.

Mittelfristig strebt Hermann eine ökologische Verkehrswende an. „Wenn wir die Klimaziele, auf die sich Deutschland verpflichtet hat, ernst nehmen, müssen bis 2050 30 Prozent der Autos raus aus der Stadt und die, die bleiben, möglichst elektrisch sein.“ Stuttgart habe sich rund 50 Jahre als autogerechte Stadt verstanden, aber das ändere sich seit einigen Jahren. Man habe nun „nicht noch einmal 50 Jahre Zeit“, den Verkehr so umweltgerecht umzubauen, wie sich das viele Einwohner wünschten. Doch es gibt auch Gegner. Am Samstag protestierten in Stuttgart gut 700 Menschen gegen Dieselfahrverbote. Auch die Stuttgarter CDU wettert dagegen und stellt den Standort der Messstellle am Neckartor sowie das Messverfahren in Frage. In einer NDR-Sendung kritisierten die Lungenfachärzte Martin Hetzel und Dieter Köhler jüngst die europäischen Grenzwerte für Stickoxide – gegen die Stuttgart verstößt – als wissenschaftlich fragwürdig.