Natur Schutz vor Wölfen: Herdenschutzhunde in Aktion

Thomas Schulz aus Hornberg schützt seine Ziegen vor Wolfsangriffen mithilfe der beiden Herdenschutzhunde Iwan und Lydia (hinten). Die sind wachsam, aber auch verschmust. Foto: Petra Walheim
Thomas Schulz aus Hornberg schützt seine Ziegen vor Wolfsangriffen mithilfe der beiden Herdenschutzhunde Iwan und Lydia (hinten). Die sind wachsam, aber auch verschmust. Foto: Petra Walheim © Foto: Petra Walheim
Hornberg / Petra Walheim 07.08.2018
Der Einsatz von Herdenschutzhunden als Wolfsschutz wird kritisch gesehen. Thomas Schulz arbeitet seit Jahren mit Hunden.

Ein ambitionierter Rennradfahrer strampelt am Weidezaun vorbei. Iwan hat ihn längst gesehen und aufmerksam den Kopf gehoben. Als der Radler direkt an der Weide vorbei schnauft, setzt Iwan sich in Bewegung und rennt am Zaun entlang. Ohne einen Ton von sich zu geben. „Iwan, ist schon gut, alles gut!“, ruft Thomas Schulz ihm zu. Der massige Hund stoppt, kehrt an seinen Platz im Schatten zurück und legt sich wieder hin. Iwan ist einer von vier Herdenschutzhunden, mit denen der Tierhalter Thomas Schulz aus Hornberg (Ortenaukreis) seine 20 Ziegen und vier Kühe vor dem Wolf schützt. Er schwört auf die Arbeit mit den Hunden und widerlegt damit die Überzeugung vieler, dass Herdenschutzhunde in Tourismus-Regionen wie dem Schwarzwald nicht eingesetzt werden können.

„Es kommt auf die Rasse und die Erziehung an“, sagt Schulz. Er arbeitet seit Jahren nur mit Kaukasischen Owtscharka, „weil sie aus der längsten in Deutschland arbeitenden Linie stammen“. So seien „brauchbare Hunde für den Herdenschutz entstanden“. Schulz’ Hunde waren nach seiner Auskunft im April 2017 die ersten im Land, die die Herdenschutzprüfung bestanden haben. Die hat der Verein für arbeitende Herdenschutzhunde abgenommen.

Weiße Riesen

Iwan und Lydia, die zwei Hunde von Thomas Schulz, die Ziegen direkt an der Straße bewachen, verhalten sich ganz anders als die weißen Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde, die bei einem Projekt des Naturschutzbundes (Nabu) eingesetzt waren. Die weißen Riesen, wie sie auch genannt werden, schlugen bei jedem Wesen an, das sich der Herde näherte. Mit  drohendem Gebell gaben sie unmissverständlich zu verstehen, was sie von der Annäherung halten. Auch aus dieser Erfahrung wurde geschlossen, dass sich Herdenschutzhunde für Gegenden, in denen Wanderer und Radfahrer unterwegs sind, nicht eignen. Ihr Verhalten kann auf Touristen bedrohlich wirken.

Suche nach Lösungen

Weil sich der Wolf aber im Land ausbreitet und immer wieder Schafe reißt, suchen Landesregierung, Nutztierhalter und Naturschützer nach einer Lösung.  Für den Landesschafzuchtverband ist der Einsatz von Herdenschutzhunden „nicht das Mittel der Wahl“, sagt Geschäftsführerin Anette Wohlfarth.  „Die Hunde sind für maximal zehn Prozent unserer Betriebe im Land geeignet.“ Grund seien die oft schwierigen topographischen Verhältnisse der Weiden. Auch für die Wanderschäferei sei  der Einsatz nicht praktikabel.

Ähnlich sieht es die Rinder-Union Baden-Württemberg. Herdenschutzbeauftragter Torsten Sommer sieht den Einsatz der Hunde in  dicht besiedelter und topographisch schwieriger  Landschaft wie im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb kritisch. „Wir sehen da große Probleme.“ Die Hunde seien teuer in der Anschaffung und im Unterhalt. Etabliere sich der Wolf, sei die absehbare Folge, dass kleinere Betriebe aufgeben. „Der Umgang mit dem Wolf ist nicht so einfach, wie das von Naturschutzverbänden oft dargestellt wird“, sagt Sommer.

Hunde sehen sich als Teil der Herde

In der Diskussion um Probleme mit dem Wolf ist Schulz mit seinen Kaukasischen  Owtscharka ein Positiv-Beispiel. Er hat es verstanden, seine Tiere so zu erziehen, dass sie umweltverträglich sind. „Sie sind rudelbezogen, akzeptieren den Menschen aber als Alpha-Tier“, sagt Schulz. Seine vier Hunde sind es gewohnt, mit Nutztieren zu leben, verstehen sich als Teil der Herde und sehen ihre Aufgabe darin, die „Familie“ zu beschützen. Sie „arbeiten“ in Zweier-Teams und das mit großer Ruhe und ohne viel Gebell. „Sie müssen so sozialisiert werden, dass sie nicht auf Menschen anschlagen.“ Außerdem sei es wichtig, den Hunden ihr Revier, Stärke und Ruhe zu geben.

Schulz möchte andere Nutztierhalter darin bestärken, auch ihre Herden mit Hunden zu schützen. „Alles andere funktioniert nicht“, sagt er. Die empfohlenen Elektrozäune nutzten nichts, außer mit einem Herdenschutzhund dahinter. Und selbst das sei nicht mehr die sicherste Lösung. In Brandenburg hätten Wölfe Schafe gerissen, trotz Zaun und Hunden.

Seine Hündinnen bringen ihre Welpen im Stall zur Welt, damit sie von der ersten Minute an Kontakt mit Tieren und Menschen haben. Um die Schäfer zu unterstützen, gibt er die Welpen günstig ab. Ihm zufolge verlangen manche Händler mehrere tausend Euro für einen Herdenschutzhund. Da liege er weit darunter. „Ich möchte dafür sorgen, dass geeignete Zuchtlinien gefördert werden.“ Und er wolle die Schäfer in ihrer Aufgabe unterstützen, die Herden zu schützen.

Schulz hat grundsätzlich nichts gegen den Wolf. Aber man sollte nicht „gedankenlos“ zulassen, dass er sich ausbreitet. „Mir ist es ein Herzensanliegen, meine Tiere zu schützen.“ Darin ist er sich mit Sicherheit mit allen Nutztierhaltern einig.

Wolfs-Hybride sind in Deutschland kein Thema

Immer wieder geistern Nachrichten durch das Land, die in Deutschland lebenden Wölfe seien nicht reinrassig, sondern Hybride, also genetisch durchmischt mit Hunden. Nach den Analysen des Senckenberg Forschungsinstituts ist das nicht so. Das Ergebnis „der umfassenden Datenerhebung aus dem Wolfsmonitoring“ hat ergeben, dass die Hybridisierungsrate bei unter einem Prozent liegt. Das sei im internationalen Vergleich ein geringer Wert, so das Institut.

Wolf-Hund-Hybriden wird nachgesagt, sie suchten die Nähe der Menschen und würden vermehrt Nutztiere anfallen. Darüber informiert die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (dbbw). Hinweise darauf, dass wildlebende Hybriden für den Menschen gefährlicher sind als Wölfe, gibt es jedoch nicht. wal

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