Glosse Land am Rand: Her mit dem Glasfaser-König

Johanna Seiler, die neue bayerische Bierköngin. Wo bleiben die Breitband- und Digitalhoheiten?
Johanna Seiler, die neue bayerische Bierköngin. Wo bleiben die Breitband- und Digitalhoheiten? © Foto: Felix Hörhager/dpa
Stuttgart / Alfred Wiedemann 15.05.2018
Warum gibt es eine Königin für Bier, aber keine für den Digitalausbau? Heimat ohne Breitband, das geht doch nicht.

Neulich erst wurde eine neue bayerische Bierkönigin gewählt. Diese Nachricht hat es zwar nicht so in die Schlagzeilen geschafft wie die Kreuze für Bayerns Amtsstuben. Zur Betonung der weiß-blauen Leitkultur ist das Bier aber schon wichtig. Bierzelt oder Bürowände,  wo ist mehr Heimat? Bemerkenswert jedenfalls ist, dass die neue Bierkönigin der Nachbarn weiterhin eine Frau ist. Unter den 69 Bewerbungen war nämlich erstmals auch ein Mann.

Der 40-Jährige, geboren in Unterfranken, aber inzwischen in Baden-Württemberg daheim, fand sich geeignet und aus Gründen der Gleichberechtigung auch wählbar. Der Bayerische Brauerbund sagte dankend Nein. Immerhin kam jetzt keine Oberbayerin ins Amt, sondern eine Schwäbin aus dem Donau-Ries.

Zwecks Werbung gibt es heute so viele Krönchen-Jobs für Bürgerliche, dass der Adel vor Neid noch blasser werden könnte, wäre er hierzulande nicht längst abgeschafft. Natürlich hat auch Württemberg eine Bierkönigin. Baden-Württemberg kann noch auf viele, viele weitere Hoheiten stolz sein. Es gibt welche für Apfel und Zwetschge, Käse und Kraut, Spargel und Schnaps, Bärlauch und Wacholder. Selbst fürs Braunvieh amtet eine echte Königin. Da fällt richtig auf, dass wir gar keine Digitalkönigin haben, keine Datenautobahn-Prinzesssin, nicht einmal einen Glasfaser-König. Ohne Breitband ist doch Heimat keine Heimat mehr. Digitalminister Thomas Strobl, übernehmen Sie! Das ist die Gelegenheit, die bayerischen Heimatvorturner abzuhängen.