Es soll der Auftakt zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit sein: Rund 40 baden-württembergische Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft sind nach Dänemark gereist. Dass sich so viele der Delegation anschließen würden, hat Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) dann doch überrascht. Es sei aber kein Zufall: Das Interesse an dem Land mit nur rund 5,6 Millionen Einwohnern ist groß.

Aber warum gerade Dänemark? Mit seinen modernen und effizienten Energietechniken ist es in einer Vorreiterrolle. Das zeigt sich an Kopenhagen, das 2025 die erste CO2-neutrale Hauptstadt der Welt sein will. Die dänischen Erfahrungen könnten der Energiewende im Südwesten vor allem in zwei Bereichen zugute kommen: Bei der Nah- und Fernwärme und beim effizienten Mix von Energiequellen.

Das Fernwärmenetz, das Haushalte mit Heizung und Warmwasser versorgt, ist in Dänemark gut ausgebaut. Mehr als 60 Prozent aller Gebäude sind angeschlossen. Den Großteil der Wärme gewinnen die Dänen aus Kraft-Wärme-Kopplung - sie nutzen also die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme. Das ist effizient und spart Schadstoffe ein. Darüber hinaus setzen die Kraftwerke zunehmend erneuerbare Energien ein - sie sorgten 2012 für rund 40 Prozent der Wärme.

Untersteller ist von der Notwendigkeit dieser Systeme überzeugt. Schließlich entfielen im Südwesten 33 Prozent der CO2-Emissionen auf den Wärmesektor. "Die Energiewende wird scheitern, wenn man sie nur als Stromdebatte begreift", sagt Untersteller. Die Absichtserklärung, die er mit dem dänischen Energieminister Rasmus Helveg Petersen unterzeichnete, sieht den Austausch zwischen Regierungen, Wissenschaftlern und Wirtschaft vor. Auch die Dänen könnten vom Know-How der Deutschen - etwa in der Photovoltaik - profitieren.

Schließlich nutzt Dänemark bereits jetzt große Solarfelder, und das, obwohl es wahrlich kein sonnenverwöhntes Land ist. Eine diesige Atmosphäre begleitete auch die Delegation beim Besuch einer Solaranlage in der Umgebung Kopenhagens. Untersteller erinnerte an den Spruch des Ex-RWE-Chefs Jürgen Großmann, die Förderung der Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll wie Ananas züchten in Alaska. Für Untersteller ist Dänemark der perfekte Gegenbeweis.

Allerdings war auch allen klar, dass sich das Modell Dänemark nicht einfach auf Baden-Württemberg übertragen lässt. Die Rahmenbedingungen sind gänzlich andere: So erhebt Dänemark die höchsten Steuern und Abgaben auf fossile Brennstoffe in der EU. Der Ausbau der Nah- und Fernwärmenetze wurde bereits in den 70ern und 80ern vorangetrieben. Auch stabile politische Vorgaben und die Tatsache, dass die meisten Projekte von kleinen Genossenschaften betrieben werden, spielen eine Rolle. In Deutschland hingegen, sagte etwa Elisabeth Strobel, Vorsitzende des Verbands der Bürger-Energiegenossenschaften, gebe es hohe bürokratische und finanzielle Hürden für den Ausbau der Wärmenetze.