Es ist wie heimkommen. Das einzige, was nicht passt, ist die Aussicht.“ Dietmar Gauß und seine Geschwister samt Familie wandern zum ersten Mal durch das „Effringer Schlössle“ seit es auf dem Gelände des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof in Gutach (Ortenaukreis) steht. Er und seine Geschwister sind in dem Haus aufgewachsen. Aber da stand es noch im Wildberger Ortsteil Effringen im Kreis Calw.  Jetzt ist es die neue Attraktion im ältesten Freilichtmuseum des Landes. Denn das Haus wurde abgebaut, restauriert und auf der Erweiterungsfläche des Museums wieder aufgebaut.

An diesem Wochenende starten die sieben Freilichtmuseen im Land in die neue Saison. Das gemeinsame Thema der „Sieben im Süden“ bleibt auch in diesem Jahr „Anders. Anders? Ausgrenzung und Integration auf dem Land“.

Dabei werden in Sonderausstellungen die unterschiedlichen Formen der Ausgrenzung auf dem Land gezeigt, ebenso wie die Mechanismen der Integration. Um das Thema „Arm sein auf dem Dorf. Sozialfürsorge im 19. und frühen 20. Jahrhundert“ dreht sich die Ausstellung im Odenwälder Freilandmuseum Walldürn-Gottersdorf.

Den Gastarbeitern widmet das Bauernhaus-Museum  Allgäu-Oberschwaben Wolfegg seine Schau. Dort wird morgen auch die gemeinsame Saison-Eröffnung der „Sieben im Süden“ gefeiert. Die Ausstellung zeigt, dass die Gastarbeiter entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland beigetragen haben und viel Gutes mitgebracht haben – zum Beispiel Ayran, Pizza und Zaziki. Dies und mehr gibt es am Sonntag im Museum zum Probieren.

Im Freilichtmuseum Beuren steht das jüdische Leben im ländlichen Baden-Württemberg im Mittelpunkt. Das „Leben am Rand. Anderssein im Dorfalltag“ beleuchtet das Oberschwäbische Museumsdorf Kürnbach.

Bereits 2017 hatten das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach, das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck und das Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen das Anderssein auf dem Land dargestellt.

Mehr als 600 Jahre alt

Aus dem Rahmen fällt die neue Errungenschaft des Schwarzwälder Freilichtmuseums Vogtsbauernhof. Das hat sich zum Ziel gesetzt, nicht „nur“ die typischen Schwarzwald-Häuser zu zeigen, sondern auch Gebäude, die nicht so ohne weiteres dem Schwarzwald zuzuordnen sind. Um drei Häuser soll das Museum erweitert werden. Das erste davon ist das besagte „Effringer Schlössle“, eine mehr als 600 Jahre alte Hofanlage. Bis 1972 hat Familie  Gauß darin gewohnt, sich dann aber auf dem Nachbargrundstück ein neues Haus gebaut. Dietmar Gauß arbeitete sich 43 Jahre lang daran ab, das alte Haus zu erhalten. Bis das Freilichtmuseum Interesse daran zeigte.

Fast drei Jahre haben Abbau, Restaurierung, Wiederaufbau und Innenausstattung gedauert. „Um an die Einrichtungsgegenstände zu kommen, sind wir ­gezielt in den Nordschwarzwald gefahren und haben die Stücke gesucht“, sagt Thomas Hafen, wissenschaftlicher Leiter des Museums. Die Mühe hat sich gelohnt. Für Menschen über 50 bietet das Haus eine Reise in die Kindheit. Es ist im Stil der 1970er Jahre eingerichtet. Unter dem Motto „So viel Schwarzwald war noch nie“ wird das Schlössle am Wochenende eröffnet.

Gastarbeiter auf dem Land


Die Eröffnung der Saison feiern die sieben Freilichtmuseen im Land traditionell gemeinsam in einem der Museen. In diesem Jahr ist der Start morgen im Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg. Von 11 bis 17 Uhr können Besucher sich umschauen und sich mit Gastarbeitern unterhalten. Die Sonderausstellung „Zwischen zwei Welten – Gastarbeiter auf dem Land“ ist diesen gewidmet. Außerdem wird die neue Publikation zum Gemeinschaftsprojekt „Anders. Anders? Ausgrenzung und Integration auf dem Land“ vorgestellt.

Mehr Informationen über die „Sieben im Süden“ gibt es unter www.landmuseen.de wal