Gericht Heidenheimer Rocker-Prozess beginnt

Ein Mitglied der Black Jackets soll im April vor einem Friseurgeschäft auf zwei Männer der United Tribuns geschossen haben.
Ein Mitglied der Black Jackets soll im April vor einem Friseurgeschäft auf zwei Männer der United Tribuns geschossen haben. © Foto: dpa
Heidenheim/Ellwangen / dpa 21.11.2016
Im April wird ein Rocker in Heidenheim auf offener Straße erschossen. Nun steht der mutmaßliche Schütze vor Gericht. Die Behörden rechnen mit Gewalt-und Racheaktionen.

Es geht um die Hoheit auf der Straße, ums Geschäft und um falsch verstandene Ehre: Wegen tödlicher Schüsse im Rockermilieu in Heidenheim muss sich ein 26-jähriges Gangmitglied von Dienstag an (9.00 Uhr) wegen Mordes verantworten. Das Mitglied der Black Jackets soll im April vor einem Friseurgeschäft zwei Männer der United Tribuns niedergeschossen haben. Zwischen den beiden Straßengangs gibt es seit längerem Streit. Das 29 Jahre alte Opfer, der Vize-Präsident der United Tribuns in Ulm, starb zwei Tage später im Krankenhaus an den Schusswunden, sein damals 25 Jahre alter Bruder wurde lebensgefährlich verletzt. Der Angeklagte sitzt seit der Tat im April in Untersuchungshaft.

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Zwischen den beiden Straßengangs gibt es seit längerem Streit. Behörden rechnen nach wie vor mit Vergeltungsaktionen. „Wir können nicht sagen, dass es ausgestanden ist“, sagte ein Ulmer Polizeisprecher. „Wir rechnen nach wie vor mit Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen.“

Der Sprecher des Ellwanger Landgerichts sagte, er rechne damit, dass Beteiligte und Angehörige der beiden Gruppierungen zum Prozess erscheinen. Das Verfahren beginnt deshalb unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Neben Einlasskontrollen müssen sich alle Besucher ausweisen. Ein Zugang zum Saal wurde gesperrt. Kutten und andere Erkennungsmerkmale der Rocker sind im Gerichtssaal verboten. 69 Zeugen und vier Sachverständige sollen insgesamt gehört werden. Als erster Zeuge soll gleich der Bruder des Getöteten aussagen, der die Schüsse überlebte.

Rockerähnliche Gruppen wie die in Villingen-Schwenningen gegründeten United Tribuns sprießen bundesweit aus dem Boden und versuchen zu expandieren. Das Landeskriminalamt warnt vor solchen neuen Gangs, die sich meist nicht mehr fürs Motorradfahren interessieren, aber sehr wohl für Geschäfte etwa in der Rotlichtszene. „Die tauchen regelmäßig auf und wollen ihre Macht demonstrieren. Und sie scheuen eben nicht, Gewalttaten in der Öffentlichkeit auszuüben“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. „Wir haben da ein besonderes Auge drauf.“

Weitere Infos und Hintergründe zum Heidenheimer Rocker-Prozess finden Sie hier.

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