Mordprozess Hechinger Mordprozess: Augenzeuge sagt aus

Hardy Kromer 13.07.2017
Im Mordprozess um den tödlichen Schuss in Hechingen kochen die Emotionen zwischen Kurden und Italiener im Hechinger Gericht erneut über.

So führe man sich in einem Gerichtssaal nicht auf, lautete die scharfe Ermahnung des Polizeibeamten an eine Zuhörerin. Kurz davor war lautes Geschrei durchs Hechinger Landgerichtsgebäude geschallt. Unmittelbar, nachdem Richter Dr. Hannes Breucker den vierten Verhandlungstag im Hechinger Mordprozess geschlossen hatte, waren kurdische Familienangehörige und Freunde des erschossenen Umut K. und Leute aus dem Umfeld der italienischen Angeklagten lautstark aneinander geraten. Schließlich fuhren Notarzt und Rettungswagen in  vor das Gericht. Es hatte offenbar Nervenzusammenbrüche gegeben.

Anlass der Aufregung: Es hatte nach Ende der Verhandlung wohl eine Kontaktaufnahme zwischen Italienern im Publikum und Italienern auf der Anklagebank gegeben.

Gerammelt voll waren die Zuschauerplätze am Mittwoch wieder, als die Große Jugendkammer die Zeugen hörte. In Fußfesseln vorgeführt wurde der Mann, der am 1. Dezember 2016 den Dusel seines Lebens hatte: ein 25-jähriger Landsmann der italienischen Angeklagten, dem mutmaßlich die Pistolenkugel galt, die in Hechingen tragischerweise den 22-jährigen Umut K. traf.

„Ein enger Freund“

Der Zeuge sitzt in Untersuchungshaft, weil er mit drei anderen auf seinen Prozess wegen des Drogenhandels wartet, der wohl im Hintergrund der Hechinger Bluttat steht. Er machte von seinem Recht Gebrauch, alle Antworten zu verweigern, mit denen er sich selbst belasten könnte. So erfuhr das Gericht von ihm nichts über Deals, nichts über etwaige Schulden bei den Angeklagten, nichts über einen möglichen Streit in der Spielothek vor dem tödlichen Schuss. Nur so viel: Er kenne die drei Angeklagten, und Umut K. sei ein „enger Freund“ gewesen. Am Tatabend sei er mit Umut K. verabredet gewesen. Als der Zeuge schilderte, wie aus dem vorbeifahrenden Fiat geschossen wurde, wie sein neben ihm stehender Freund getroffen wurde, war es mucksmäuschenstill im Gerichtssaal. Auf dem Mitschnitt des Original-Notrufs, den der Zeuge gleich nach dem Schuss abgesetzt hatte, sagte der Italiener, sein Freund sei „getroffen direkt am Bauch“. Deutlich wurde jedoch, dass er an eine Verletzung durch eine Gaspistole glaubte.

Die Frage aller Fragen – welcher der beiden Männer im Fiat hat geschossen? – wurde nicht befriedigend beantwortet. Zwar deutete der einzige Augenzeuge spontan auf den älteren der beiden Angeklagten, der auf der Beifahrerseite saß. Fundiert zu begründen wusste er diese Behauptung nicht. Alles sei so schnell gegangen.