Pforzheim Haus des Jugendrechts für Ulm und Mannheim geplant

Kurze Wege und schnelle Entscheidungen: Im Haus des Jugendrechts in Pforzheim arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft unter einem Dach.
Kurze Wege und schnelle Entscheidungen: Im Haus des Jugendrechts in Pforzheim arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft unter einem Dach. © Foto: Hans Georg Frank
Pforzheim / HANS GEORG FRANK 09.09.2014
Das Haus des Jugendrechts in Pforzheim hat sich derart bewährt, dass weitere Einrichtungen dieser Art folgen. Mannheim wird sich im Frühjahr 2015 anschließen, für Ulm gibt es erste Überlegungen.

Polizeihauptkommissar Thomas Hoffmann ist sein Stolz auf das Pforzheimer Haus des Jugendrechts anzumerken, wenn er die Erfolge aufzählt: "Bandenstrukturen zerschlagen, starker Rückgang jugendlicher Intensivtäter, massiver Rückgang von Haftsachen." Im Mai 2012 hat die gemeinsame Einrichtung begonnen. Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendämter der Stadt Pforzheim und des Enzkreis arbeiten zusammen, unterstützt vom Bezirksverein für soziale Rechtspflege. Gegenüber der Polizeizentrale entstanden Räume für kurze Wege und schnelle Entscheidungen.

Das Haus des Jugendrechts hat sich in Pforzheim so bewährt, dass sich gestern Innenminister Reinhold Gall und Justizminister Rainer Stickelberger trafen, um mit ihrer Unterschrift unter einer "Verstetigungsurkunde" den Betrieb auf Dauer zu sichern. "Das Konzept ist aus kriminologischer Sicht richtungweisend", waren sich die beiden SPD-Politiker einig.

Dank des guten Drahts zwischen allen Beteiligten folgt der Straftat rasch ein Denkzettel. Ein Jugendlicher verstehe dann besser, dass er etwas falsch gemacht hat und dass sein Fehlverhalten nicht hingenommen wird, erklärten die Minister. Hatte es früher mitunter ein Jahr gedauert, bis ein Täter-Opfer-Ausgleich unter Dach und Fach war, so ist diese Form der Wiedergutmachung jetzt mit der besseren Zusammenarbeit in drei Monaten erledigt.

Repression, Prävention und Opferschutz sind die drei Säulen des Hauses. Durch die Vernetzung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Gericht und Straffälligenhilfe soll die Rückkehr auf den "Pfad der Tugend", so Gall, schneller möglich sein. In Pforzheim ist die Agentur für Arbeit mit im Boot. Sie ist Anlaufstelle für Jobs, die für einen strukturierten Alltag sorgen sollen. Die Berufsexperten sind auch dann gefragt, wenn die Anklagebehörde ganz konkret Beratungsgespräche und Bewerbertraining anordnet. Jeder soll eine zweite Chance bekommen, betonte Kommissar Hoffmann. Das Haus des Jugendrechts wird als Weichenstellung für eine straffreie Zukunft verstanden. Deshalb werden auch notorische Schulschwänzer von Polizisten abgeholt und in den Unterricht eskortiert.

Was diese Kooperation von Polizei und Justiz kostet, wissen die Minister nicht. Die Ausgaben seien aber auch gar nicht so wichtig, "weil wir an anderer Stelle massiv einsparen", sagte der Innenminister. Wenn frühzeitig eingegriffen werde, fallen keine Kosten für die Haft an. "Prävention rechnet sich für das Land immer", ergänzte Stickelberger. Nach Galls Erkenntnissen gehen junge Intensivtäter meist aus Banden hervor. Deshalb gelte es für die Polizei, dort "möglichst früh reinzugrätschen".

Das erste deutsche Haus des Jugendrechts öffnete 1999 in Stuttgart-Bad Cannstatt. Inzwischen haben Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz das Modell übernommen. Anfang nächsten Jahres soll das dritte Haus in Mannheim seinen Betrieb aufnehmen, sobald ein dafür ausgesuchtes Gebäude saniert ist. Außerdem gebe es erste Pläne in Ulm, sagte der Justizminister, "ob wir dort ein solches Haus stemmen können". Eine Ulmer Delegation hat sich in Pforzheim bereits informiert. In Rottweil existiert eine Mini-Version als "Zimmer des Jugendrechts".

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