Berthold Frieß, Göppinger Kreisvorsitzender der Grünen, sorgt sich schon um den Umgangston an der Basis. "Ich würde mir die Auseinandersetzung anders wünschen. An gegenseitigen Schuldzuweisungen habe ich kein Interesse", sagt er. Am Freitag wollen die Grünen im Wahlkreis Göppingen einen neuen Anlauf unternehmen, um einen Kandidaten für die Landtagswahl 2016 zu nominieren. Und der Ton wir immer ruppiger.

Der erste Versuch war am 17. Juni gescheitert. Nach einem Patt in der Stichwahl zwischen dem Abgeordneten Jörg Matthias Fritz und seiner Herausforderin Ulrike Haas war die Versammlung "unterbrochen worden". Bei der Versammlung hatte es Debatten wegen etlicher Parteibeitritte noch kurz vor der Wahl gegeben. Unstimmigkeit herrschte vor allem über die Frage, wer nun von diesen neuen Mitgliedern wählen darf.

Seitdem hat sich das Klima so verschlechtert, dass Haas jetzt davor warnte, "Vertrauen zu verspielen und den Kreisverband zu spalten". Fritz hatte im Anschluss das Landesschiedsgericht der Partei angerufen, weil er den Gleichbehandlungsgrundsatz durch den Kreisvorstand verletzt sah. So habe für ihn, was die Werbung und Aufnahme neuer Mitglieder angehe, eine andere Frist gegolten als für Kontrahentin Ulrike Haas. Diese konterte in einer Mail: "Das ist eine glatte Lüge. Ich war nie im Vorteil." Ihrer Meinung nach "schreit es zum Himmel, wie mit allen Mitteln versucht wird, die Mitbewerber aus dem Feld zu räumen".

Andere Grüne wiederum werfen in einem Brief dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Walter Kißling und anderen vor, "Stimmung gegen unseren Landtagsabgeordneten Jörg Matthias Fritz" zu machten. Das Vertrauen in den Kreisvorstand sei "schwer erschüttert", Parteifreunde seien "schlicht hintergangen" worden. Für Empörung sorgt auch, dass die zweite Nominierungsversammlung in die Sommerferien verlegt wurde.

Am Donnerstag wollte eigentlich das Landesschiedsgericht über Fritz' Einspruch entscheiden. Doch wegen eines Befangenheitsantrags, den Fritz gegenüber einem Mitglied des Gerichts gestellt hat, wird die Entscheidung vertagt. Frieß sieht es so: Auch wenn die erste Versammlung für nicht rechtmäßig erklärt würde, die am Freitagabend wäre es.