Internet Hacker greifen Landesrechner an, um Kryptowährung zu schürfen

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Symbolbild. © Foto: dpa
Stuttgart / Jens Schmitz 08.01.2018
Hacker haben Server des Stuttgarter Finanzministeriums attackiert, um die Kryptowährung Minero zu schürfen. Für tausende Beamte heißt es nun: Zurück zum Papier.

Produzenten von „Kryptowährungen“ haben im Südwesten besondere Chuzpe bewiesen: Hacker versuchten, ausgerechnet Computer des Finanzministeriums zu kapern, um virtuelles Geld zu erzeugen.

Die Attacke auf die Anmeldeserver des Landesamts für Besoldung und Versorgung in Fellbach konnte abgewehrt werden. Allerdings müssen tausende Landesbedienstete ihre Beihilfe- und Dienstreise-Anträge derzeit in Papierform abwickeln: Die Server wurden vom Netz genommen. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass es den Angreifern gelungen ist, auf Kundendaten zuzugreifen oder diese abzuziehen“, erklärte ein Ministeriumssprecher am Montag. In erster Linie seien Anmeldesysteme für Dienstreisen, die Jobticket-Anmeldung und die Beantragung von Beihilfe betroffen.

Alle Abrechnungssysteme für die Bediensteten des Landes mit den entsprechenden sensiblen Daten liefen auf anderen, abgetrennten Servern, die nicht betroffen seien.

Der Angriff, der Anfang des Jahres entdeckt worden sei, wird derzeit noch untersucht. Bei der Attacke sind demnach einzelne Rechenprozesse gestoppt worden; der Versuch, weitere Software zu installieren, wurde durch Sicherheitssysteme abgewehrt. Ziel sei es offenbar gewesen, Rechenleistung zu kapern, erklärte das Ministerium.

Solche Versuche nehmen in Deutschland seit Monaten zu. Mit gehackten Computern können „Kryptowährungen“ erzeugt werden, die als Online-Zahlungsmittel fungieren. Die bekannteste ist „Bitcoin“. Im vorliegenden Fall sei versucht worden, die Währung „Monero“ zu gewinnen, erklärte der Sprecher. Die IP-Adresse des Angreifers deute zwar auf einen US-amerikanischen Ursprung. Solche Adressen könnten aber verschleiert sein.

Die Landesbehörden wurden am Montag angewiesen, Beihilfe- und Dienstreise-Anträge in Papierform abzuwickeln, bis die Systeme wieder zur Verfügung stehen. Potenziell betrifft das bis zu 400.000 Menschen. Allerdings werden kaum alle geplant haben, das Portal in den nächsten zwei Wochen tatsächlich zu besuchen. Dann soll im Zuge der landesweiten IT-Neuordnung ohnehin eine modernere Version an den Start gehen.

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