Freiburg Gutmütige Belgier, kräftig und kaltblütig

Bierauslieferung mit der Kutsche: In Freiburg setzt eine Privatbrauerei noch auf Pferde statt Lastwagen - sehr zur Freude der Touristen. Foto: dpa
Bierauslieferung mit der Kutsche: In Freiburg setzt eine Privatbrauerei noch auf Pferde statt Lastwagen - sehr zur Freude der Touristen. Foto: dpa
Freiburg / JÜRGEN RUF, DPA 24.08.2013
Durch die engen Gassen der Freiburger Innenstadt muss sich kein Bierlaster quälen. Den Job übernehmen Brauereipferde. Sie liefern auf traditionellem Wege Bier aus. Es ist mehr als nur Schaulaufen.

Wodan, Billy, Merlin und Ernie lassen sich fürs Bier gern einspannen. Sie sind die stärksten Mitarbeiter der Freiburger Brauerei Ganter. Die vier Pferde ziehen den schweren Bierwagen, wenn die Fässer mit dem frischen Gerstensaft in die Freiburger Altstadt geliefert werden. Statt auf Lastwagen setzt die mittelständische Privatbrauerei auf Pferde. Sie bewegt damit eine alte Tradition der Braubranche und hält sie am Leben.

"Wenn ich mit unseren Pferden unterwegs bin, dann ist das immer ein ganz besonderes Gefühl", sagt Heinz Birkenmeier. Der 52-Jährige sitzt vorn auf dem Kutschbock und bahnt sich mit den Pferden und dem Bierwagen den Weg durch die Freiburger Innenstadt. Es geht durch historische Stadttore, enge Gassen, vorbei am Münster, direkt zu den Gasthäusern und Hotels. Ihnen wird Bier traditionell von Brauereipferden gebracht. So, wie es früher üblich war. Und wie es heute wegen der Kosten eigentlich nicht mehr praktiziert wird.

Birkenmeier, ein gelernter Hufschmied, ist seit 20 Jahren Bierfahrer bei Ganter. Statt des Lenkrads eines Lastwagens ergreift er ein bis zwei Mal pro Woche die Zügel der firmeneigenen Kutsche. In Freiburg gehört das Pferdefuhrwerk mit den Bierfässern zum Straßenbild. Und es ist eine Touristenattraktion. Passanten bleiben stehen, zücken ihre Kameras und schauen dem Gespann hinterher.

"Ganter ist die einzige Brauerei in Baden-Württemberg, die eigene Pferde im Stall hat und diese im Arbeitsalltag einsetzt", sagt Geschäftsführerin Katharina Ganter-Fraschetti. Auch bundesweit haben die Freiburger mit ihnen eine Sonderstellung: Nur noch zwei weitere Brauereien liefern Bier per Pferdekurier. Ansonsten dienen Brauereipferde meist allein Werbezwecken.

Auch wenn es ein teurer Spaß ist: Ganter will die Tradition aufrechterhalten. Der Vorteil: "Es macht eine Marke unverwechselbar, Ganter setzt sie damit von anderen Bieren ab", sagt Jürgen Keipp vom Branchenverband "Freie Brauer" in Dortmund.

"Unsere Pferde müssen ein ruhiges und ausgeglichenes Gemüt haben", sagt Birkenmeier. Auf seine vierbeinigen Kollegen kann der Kutscher sich verlassen. "Wenn ich nicht eingreife, finden die Pferde von allein ihren Weg. Die kennen ihre Tour und halten vor jedem Gasthaus, das beliefert wird, automatisch an." Kein Wunder, denn oft lockt eine Belohnung. Wirte, Anwohner der Altstadt und Bauern auf dem Münstermarkt warten mit Karotten und anderen Leckereien auf die Huftiere. Dazu gibt es immer wieder Streicheleinheiten.

Wasser ist nicht nötig. Haben die Pferde Durst, trinken sie aus den Bächlein in Freiburgs Zentrum. Eine Fangemeinde haben die Arbeitspferde auch. Dankesbriefe an die tierischen Mitarbeiter gehen in der Brauerei regelmäßig ein, vor allem Kinder sind begeistert.

Bevor Pferde für die Bierfahrten eingesetzt werden, müssen sie daran gewöhnt werden, sagt Birkenmeier. "Das kann drei Jahre und länger dauern." Vor allem muss der Kutscher darauf achten, dass sie fit für den Straßenverkehr sind. "Sie müssen gute Nerven haben." Laden kann der Wagen bis zu anderthalb Tonnen. Er hat dann 35 Bierfässer an Bord und ist bis zehn Meter lang.

Weil sie einen ruhigen Charakter haben und kräftig sind, setzt Birkenmeister auf belgische Kaltblüter. Pferde dieser Rasse sind für den Arbeitseinsatz gezüchtet. "Und es sind gutmütige und treue Tiere." Sie können bis zu 35 Jahre alt werden, bis zu 20 Jahre werden sie als Brauereipferde eingesetzt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel