Im März 2012 hat die Regierung ein Gutachten zu Chancen und Risiken eines Nationalparks in Auftrag gegeben. Nun liegt es vor. Die Hauptaussagen im Überblick:

Suchraum Das Gutachten hat drei getrennte Gebiete im Nordschwarzwald mit insgesamt 17 000 Hektar Staatswald unter die Lupe genommen. Sie kommen alleine oder in Kombination für den Nationalpark in Frage, der 10 000 Hektar umfassen soll, 0,7 Prozent der Waldfläche im Land. "Es gibt nicht den Favoriten", sagte Alfred Höhn, Partner der Beratungsfirma "PricewaterhouseCoopers", die zusammen mit den Freiburger Gutachtern "ö:konzept" die Studie erstellt hat.

Achern, Bad Herrenalb, Bad Peterstal-Griesbach, Bad Wildbad, Baiersbronn, Bühl, Bühlertal, Dobel, Enzklösterle, Forbach, Freudenstadt, Gernsbach, Loffenau, Oppenau, Ottenhöfen im Schwarzwald, Ottersweier, Sasbach, Seebach und Weisenbach liegen im Suchraum oder grenzen an.

Naturschutz Die Einrichtung eines Nationalparks, so heißt es in dem Gutachten, führe zu vielfältigeren Strukturen in Landschaft, Bestand und Vegetation. So sind 460 Arten von der Roten Liste bekannt, die im Nordschwarzwald vorkommen. Wenn der Wald sich selbst überlassen bliebe, wäre das für 206 dieser Arten förderlich - darunter besonders viele hochgradig gefährdete. Bei 53 Arten rechnen die Gutachter dagegen mit Beeinträchtigungen. Wie sich ein Nationalpark auf die Auerhuhn-Population auswirken wird, ist unklar.

Borkenkäfer Das Gutachten nennt Strategien, um bei Ausbreitung des Borkenkäfers angrenzende Wirtschaftswälder zu schützen. So mache ein 500 Meter breiter Pufferstreifen, in dem Borkenkäfer "intensiv" abgewehrt werden, ein Übergreifen "eher unwahrscheinlich". Der zuständige Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne) baut auf diese Strategie.

Tourismus Der Tourismus ist der wichtigste Arbeitgeber im Schwarzwald. Die Übernachtungszahlen im Suchraum sind gegenüber dem restlichen Schwarzwald aber rückläufig. Die Gutachter sagen, dass der Nationalpark der "unbedingt notwendige" Impuls sein könnte für eine Trendwende im Nordschwarzwald. 3,05 Millionen Nationalparkbesucher pro Jahr seien realistisch. Gegenüber den Touristenströmen, mit denen die Region ohne Nationalpark rechne könnte, würde das ein Plus von 190 000 Übernachtungen und 255 000 Tagesbesuchern bedeuten. Die Folge wäre ein Umsatzplus von 18,3 Millionen Euro und 428 Vollarbeitsplätze.

Holzwirtschaft Einem Ergebnis des Gutachtens hat Bonde bereits vorgegriffen: Er hat der Sägeindustrie in der Region angeboten, dass sie die Holzmengen, die ihr im Nationalpark verloren gehen, aus anderen Gebieten des Staatsforsts erhält. Ohne diese Kompensation, warnt das Gutachten, könnte ein Nationalpark einen Rückgang der Bruttowertschöpfung um rund acht Millionen Euro und Betriebsschließungen bei Sägewerken samt Wegfall von 110 Arbeitsplätzen zur Folge haben. Durch die Holzzusage seien keine negativen Folgen zu erwarten, betonte Bonde.

Arbeitsplätze Das Gutachten stellt die Effekte eines Nationalparks auf den Tourismus und auf die Holzindustrie gegenüber. Ergebnis: Selbst im pessimistischsten mehrerer Szenarien ist der Gesamteffekt positiv, da der Zugewinn im Tourismusbereich auch als unwahrscheinlich erachtete Verluste in der Holzindustrie mehr als wettmachen würde. Im besten Fall rechnen die Gutachter mit 620 neuen Arbeitsplätzen, als realistischer gilt ein Zugewinn von 400 Vollzeitjobs.

Reaktionen BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender und Nabu-Landeschef Andre Baumann werteten das Gutachten als große Chance für den Naturschutz, aber auch für den Tourismus. Die Landesregierung selbst sieht sich in ihrem Vorhaben bestätigt. Es werde "höchste Zeit", auch in Baden-Württemberg einen Nationalpark zu schaffen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). "Ab sofort beginnt die Phase der Bewerbung, ein Teil des Nationalparks zu sein", sagte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. "Der Kreis Calw will auf jeden Fall dabei sein", sagte der Calwer Landrat Helmut Riegger. Der Bundesverband der Säge- und Holzindustrie zog das Gutachten indes in Zweifel. Ein Nationalpark, das zeige der Blick in andere Regionen, sei kein Tourismus-Magnet, teilte der Verband mit. Auch die FDP lehnt das Projekt ab. Grün-Rot müsse die Bürger vor Ort darüber abstimmen lassen, forderte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Auch CDU-Fraktionschef Peter Hauk mahnte "Bürgerbeteiligung" an: Das Ergebnis müsse vor Ort "ergebnisoffen" diskutiert werden.

Zeitplan Die Regierung will das Gutachten bis Ende April bei öffentlichen Veranstaltungen in der betroffenen Region vorstellen. Die Auftaktveranstaltung ist heute Abend in Bad Wildbad. Mehrere Gemeinden haben Bürgerbefragungen beschlossen, die am 12. Mai ausgezählt werden sollen. Diese Voten sind für den Landtag aber nicht bindend. Bonde ist derweil beauftragt, ein konkretes Modell für den Nationalpark zu erarbeiten. Die Planungen sehen vor, dass der Landtag noch 2013 ein Gesetz verabschiedet.

Info Das 1202 Seiten dicke Gutachten steht im Internet: www.schwarzwald-nationalpark.de