Der Angeklagte im Prozess um zwei Morde auf Parkplätzen ist nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters voll schuldfähig. "Für eine krankhafte psychiatrische Störung hat es überhaupt keinen Anhaltspunkt gegeben", sagte Gutachter Peter Winckler vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Angeklagte, ein 57-jähriger Frührentner aus Esslingen, soll Mitte 2010 einen 30-Jährigen bei Magstadt (Kreis Böblingen) und einen 70-Jährigen bei Mörfelden-Walldorf in Südhessen erschossen haben. Beide Parkplätze gelten als Homosexuellen-Treffpunkte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 57-Jährigen zudem vor, einen Touristen in Freudenstadt mit einem Messer angegriffen zu haben. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord sowie versuchten Mord.

"Ich muss hier eine Black-Box begutachten", sagte Winckler. Der Angeklagte habe weder mit ihm gesprochen, noch vor Gericht Angaben zur Person oder Tat gemacht. So bleibe vieles spekulativ, etwa das mögliche Motiv. "Überspitzt habe ich das Gefühl, mit einem Puzzle konfrontiert zu sein, bei dem die Teile nicht so recht zusammenpassen." Eine Sicherheitsverwahrung im Anschluss an eine mögliche Haftstrafe hält Winckler für angebracht. Wenn der 57-Jährige die beiden arglosen Menschen nach ähnlichem Muster umgebracht habe, obwohl er sie nicht kannte, lege das einen Serienmord nahe. Nächsten Donnerstag geht der Prozess weiter. lsw