Bildung Gutachten: 347 Grundschulen sind zu klein

Mehr Geld für kleine Grundschulen, das fordert der Landesrechnungshof. (Symbolbild)
Mehr Geld für kleine Grundschulen, das fordert der Landesrechnungshof. (Symbolbild) © Foto: Armin Weigel/dpa
Stuttgart / Jens Schmitz 19.06.2018
Der Landesrechnungshof fordert, dass die Kommunen mehr Geld für den Betrieb von kleinen Grundschulen zahlen.

„Eine höchst brisante Frage“ ergibt sich für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) aus dem neuen Rechnungshof-Gutachten zur Lehrerversorgung im Land: „Was wir mit den kleinen Grundschulen machen!“ Die Auftragsstudie wurde dem Kabinett am Dienstag von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vorgestellt; sie ist inzwischen öffentlich.

Der Rechnungshof sollte dem Land helfen, seine Lehrkraft-Ressourcen effizienter zu steuern, und Möglichkeiten zur Konsolidierung aufzeigen. Das Gutachten empfiehlt der Regierung weitreichende Änderungen.

Zu den brisantesten Vorschlägen gehören diejenigen zu kleinen Grundschulen: Die Prüfer erinnern daran, dass der Rechnungshof schon 2014 die Festlegung von Mindestgrößen empfohlen habe, und sprechen sich für größere Schuleinheiten aus. Bei einer Mindestzahl von 16 Schülern pro Eingangsklasse, wie sie für andere Schularten gelte, müssten 347 Grundschulen geschlossen werden, heißt es in dem gut 100-seitigen Text. Der durchschnittliche Mehraufwand für das Personal liege an solchen Schulen bei jährlich mindestens 14,1 Millionen Euro.

„Aus strukturpolitischen Gründen gibt es ein kommunales Interesse am Erhalt kleiner Grundschulen“, räumen die Gutachter ein. „Dieses sollte dann aber auch in der Finanzverteilung zwischen dem Land und der Gesamtheit aller Kommunen berücksichtigt werden.“ Im Klartext: Die Gemeinden sollen mehr zahlen.

Jahresdeputat einführen

Potenzial sieht das Gutachten auch bei der Art, wie das Land seine Lehrer einsetzt.Die Prüfer schlagen zum Beispiel vor, die Arbeitsverpflichtung der Lehrkräfte nicht nach Wochenstunden zu berechnen, sondern als Jahresdeputat. So könne ausgefallener Unterricht innerhalb des Schuljahres nachgeholt werden.

Neben Zeitfragen wird die räumliche Verteilung der Pädagogen diskutiert. Die Studie stellt fest, dass die Lehrerversorgung für den Pflichtunterricht mancherorts nur dann zu 100 Prozent gegeben sei, wenn die Vertretungsreserve mitzählt. Das sollte sich ändern, so die Experten.

Ministerpräsident Kretschmann äußerte sich am Dienstag vor der Presse zurückhaltend zum Gutachten: Im Staatsministerium müsse man sich eingehend damit beschäftigen. Der Verlust von Grundschulen im ländlichen Raum sei etwas „sehr Ernsthaftes“. Dem Wunsch nach kurzen Wegen stünden allerdings auch solche der Bildungsqualität gegenüber. Die Regierung werde das debattieren. „Der entscheidende Grund ist immer, vom Kind her zu denken.“

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