Große und überregional tätige Notrufzentralen seien die schlechtere Variante, sagten Experten des Karlsruher Forschungszentrums Informatik (FZI). Die bestehende Struktur aus Rettungsleitstellen vor Ort habe sich bewährt und sollte beibehalten werden.

Politiker und Krankenkassen fordern regelmäßig die Zusammenlegung bestehender Einrichtungen zu Großleitstellen. Das Land arbeitet derzeit an einer Neufassung des Rettungsdienstgesetzes.

Die Zusammenlegung von Leitstellen ergebe keinen Sinn, heißt es in dem gestern in Emmendingen vorgestellten Gutachten. Im Gegenteil: "Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass solche Maßnahmen nicht nur die Kosten in die Höhe treiben, sondern auch die Qualität senken". Dies hätte sich zuletzt in Bayern und Sachsen gezeigt.

Dennoch gebe es Verbesserungsbedarf: So solle die Technik der Leitstellen vereinheitlicht werden. Zudem müsse eine landesweite Arbeitsgruppe zum Weiterentwickeln der Leitstellenstruktur her.

Die Wissenschaftler untersuchten zwei Jahre die Arbeit von Rettungsleitstellen am Beispiel Emmendingen. Die Einrichtung dort arbeitet seit 1978 und ist damit eine der ältesten Leitstellen in Baden-Württemberg. Sie koordiniert Einsätze von Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Träger sind der Kreis Emmendingen und das Rote Kreuz. Sie hatten die Studie in Auftrag gegeben.

Die Landesregierung will in diesem Jahr das seit 2009 geltende Rettungsdienstgesetz reformieren. Diskutiert wird vor allem über die Hilfsfristen. Sie schreiben vor, in welcher Zeit Retter spätestens vor Ort sein müssen. Das Gutachten stellt sich hinter die Reformpläne, die Hilfsfristen zu verlängern: Zeitvorgaben dürften nicht das einzige Kriterium sein, die derzeit geltenden Fristen seien nicht mehr realistisch.