Kernkraft Gundremmingen: AKW bei Störfällen ganz vorn

Wasserdampf über dem AKW in Gundremmingen. 
Wasserdampf über dem AKW in Gundremmingen.  © Foto: dpa
Gundremmingen / Martin Hofmann 18.07.2017
Ein oder kein Grund zur Sorge? Die größte deutsche Atomanlage weist mehr sicherheitsrelevante Ereignisse auf als alle anderen laufenden Meiler zusammen.

Die Atomanlage mit den meisten sicherheitsrelevanten Vorfällen steht in Gundremmingen. Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hervor.  Die zwei Reaktorblöcke B und C weisen fast anderthalb Mal so viele Precursor-Pannen auf wie alle sechs übrigen laufenden Kernkraftwerke zusammen. Meldepflichtige Vorgänge geben die Aufsichtsbehörden an die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) weiter. Sie analysiert, ob Zwischenfälle ein möglicher Vorbote (Precursor) für einen Schaden des Reaktorkerns waren.  In den zwei Siedewasserreaktoren traten diese Ereignisse 15 Mal auf. In den sechs Druckwasseranlagen gab es elf Vorgänge.  Die Experten berechnen, wie viel Sicherheitsabstand zu einem Kernschaden bestand. Die Precursor-Pannen hat die GRS von 1993 bis 2011 ausgewertet.

Von den Vorboten-Störfällen ereigneten sich 10 im Block B, fünf im Block C des Kraftwerks. Bei acht handelt es sich um Ereignisse „mit Anforderung von Sicherheitssystemen“.  Als Auslöser nennt das Bundesumweltministerium bei sechs Ereignissen angenommene oder tatsächlich Ausfälle der Hauptwärmesenke. Im Normalbetrieb kühlen Turbine und Kondensationskammern den Dampf. Fallen sie aus, wird die Dampfleitung vom Reaktor abgesperrt, der Druck steigt rasant. Steuerstäbe schießen zwischen die Brennelementkästen, um den  Spaltprozess zu reduzieren. Passiert dies nicht, heizen sich die Brennelemente auf. Bei drei Störfällen fiel die Hauptspeisewasserversorgung aus. 13 Percursor-Vorgänge fallen in die Zeit nach 2000.

Streit um Schlussfolgerung

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen, zieht aus den Daten den Schluss: „Gundremmingen ist Deutschlands gefährlichstes Atomkraftwerk. Es muss unverzüglich stillgelegt werden.“ Tobias Schmidt, Sprecher des Kraftwerks erklärt, Gundremmingen erfülle die gleichen Schutzziele wie alle anderen Kernkraftwerke. Sämtliche Ereignisse hatten keine oder geringe sicherheitstechnische Bedeutung.“ Die GRS teilte unlängst mit, verschiedene Anlagen könnten in Bezug auf Precursor-Fälle nicht miteinander verglichen werden.

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