Land am Rand Grundstein ohne Kirche

Ausgebuddelt unter dem Grundstein: Ein paar alte Weizenähren und leider kein Patentrezept.
Ausgebuddelt unter dem Grundstein: Ein paar alte Weizenähren und leider kein Patentrezept. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Pforzheim / Hans Georg Frank 06.07.2018

Unvollendete Projekte sind keine Erfindung der Neuzeit. Als noch niemand an einen Hauptstadt-Flughafen in Berlin gedacht hat, sollte in Pforzheim eine evangelische Kirche errichtet werden – mehr als das Fundament ist allerdings nicht daraus geworden. Auch wenn Markgraf Ludwig am 25. August 1829 den Grundstein legen ließ, blieben die Pläne des badischen Baumeisters Heinrich Hübsch in der Schublade. Ein dreischiffiges Gotteshaus hatte der Architekt entworfen, mit Säulenreihen in vorgotischem Stil und zwei schlanken Türmen.

Doch niemals wurde eine Predigt gehalten oder ein Kind getauft. Nach dem Grundstein war Schluss. Dem Regenten könnte das Geld ausgegangen sein, vermuten Historiker. Mindestens genauso wahrscheinlich ist, dass Nachbarn erfolgreich den Aufstand gegen das Projekt probten. Dabei hatten an dieser Stelle schon im 13. Jahrhundert Dominikaner eine Gebetsstätte errichtet, die französische Truppen 1689 zerstörten. Ein Brand hatte den Nachfolgebau 100 Jahre später eingeäschert.

Derlei Historie kümmerte die Anwohner anscheinend nicht. Sie wollten lieber mehr Licht und Luft für das Schulhaus, das in der Zwischenzeit errichtet worden war. Offenbar hatte der Markgraf ein Einsehen und wich zum Lindenplatz aus. Die neue Stadtkirche wurde 1899 geweiht.

Jetzt haben Archäologen den Hohlraum unter dem Grundstein untersucht. Ein paar Weizenähren, vertrockneter Wein, verrostete Münzen – aber leider kein Patentrezept, wie Bauwerke planmäßig realisiert werden können.

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