Wann hat Alexander Bonde, der Minister für den ländlichen Raum, seinen Parteifreund Reinhold Pix darüber informiert, dass er ihm die Landtagskandidatur im Wahlkreis Freiburg I streitig machen will? Vor dem Verschicken der Pressemitteilung oder parallel dazu? Wem ist es zu verdanken, dass das Biosphärengebiet Südschwarzwald nun doch Gestalt annimmt - Bonde oder Pix?

Wer mit beiden Protagonisten spricht, wird unterschiedliche Versionen hören, im Zwischenmenschlichen wie im Politischen, im Kleinen wie im Großen. Da sind sich zwei spür- und hörbar nicht grün.

Es ist ein Duell, das von Gegensätzen lebt - und das grundsätzliche Fragen aufwirft. Die vordergründige lautet: Wem traut die Basis vor Ort eher zu, das Direktmandat zu verteidigen, das Pix 2011 gewonnen hat? Die hintergründige lautet: Was sagt das Gefecht über die Grünen und ihr Verhältnis zur Macht aus?

Pix, 59, verheiratet, vier Kinder, vertritt den landesweit größten Flächenwahlkreis seit 2006 im Landtag. Freiburg I umfasst neben den östlichen Stadtteilen der Breisgaumetropole ländliche Gebiete - den Ostteil des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald und Teile des Landkreises Waldshut. 2011 hat der Diplom-Forstwirt den "Filbinger-Wahlkreis" - er war 1976 zur Sicherung der Direktwahl des damaligen CDU-Regierungschef Hans-Filbinger neu zugeschnitten worden - sogar erstmals für die Grünen direkt gewonnen. Seither ist er der Platzhirsch vor Ort und der einzige Abgeordnete überhaupt, der den Wahlkreis im Landtag vertritt.

Der gebürtige Stuttgarter betreibt mit seiner Frau in Ihringen am Kaiserstuhl ein Öko-Weingut. Der kantige und politisch rauflustige Pix hält sich zugute, finanziell nicht auf die Politik angewiesen zu sein und somit unabhängig agieren zu können. Der Querkopf sieht sich eher als Korrektiv und Kontrolleur der Regierung denn als braver Abnicker. Dabei hätte er sich nach dem Wahlsieg 2011 auch die Rolle des Landwirtschaftsministers vorstellen können. Regierungschef Winfried Kretschmann beschied ihn aber, die Grünen brauchten auch starke Abgeordnete.

Bonde, 40, verheiratet, drei Kinder, firmiert seit 2011 als Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Kretschmann hat den Parteifreund aus dem Bundestag an seinen Kabinettstisch geholt. In Berlin hatte der Koordinator der Realos im Land fast zehn Jahre das Feld der Haushaltspolitik beackert. Von Stuttgart aus kümmert sich das jüngste Kabinettsmitglied seit dem Regierungswechsel thematisch vorrangig um den Teil des Flächenlandes, der aus Sicht der Grünen noch das größte Wachstumspotenzial verspricht: den ländlichen Raum.

Profil hat der "grüne Schwarzwälder" (Eigenbeschreibung), der mit einer CDU-Politikerin verheiratet ist und vor dem Aufstieg der Grünen zur Ministerpräsidenten-Partei als Befürworter eines Bündnisses mit der CDU galt, im Kampf gegen die Schwarzen um die Durchsetzung des Nationalparks und des neuen Jagdrechts gewonnen.

Der gebürtige Freiburger mit Wohnort Baiersbronn sieht seine Bewerbung um die Landtagskandidatur im Wahlkreis Freiburg I als "Angebot" an die Basis. Er trete nicht gegen jemanden an, sondern dafür, den Landkreis im Landtag vertreten zu dürfen, der seinem Profil - ein Städter, der sich auch um Themen des ländlichen Raums kümmert - am besten entspreche. So wenig er einen Rechtsanspruch auf die Kandidatur habe, so wenig gebe es eine Bestandsgarantie für Mandatsinhaber. Den von interessierter Seite gestreuten Verweis auf andere freie Wahlkreise lässt er nicht gelten: Schon wegen der Frauenqoute müsse er gegen einen männlichen Bewerber antreten. Von einem Minister, heißt es zudem aus seinem Umfeld, werde erwartet, dass er in einem aussichtsreichen Wahlkreis antrete.

Er halte den Ausgang des Duells für völlig offen, sagt der Tübinger Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling. "Für Bonde spricht sein Gewicht als Minister. Pix hat den Vorzug, vor Ort zu sein." Dass sich der Minister um ein Mandat bemüht, hält auch der Freiburger Politikwissenschaftler Ulrich Eith für "völlig üblich". Pix erinnere in seinem Verhalten eher an einen Oppositionspolitiker, während Bonde als verbindlicher Regierungspragmatiker wahrgenommen werde, sagt Eith, der im umkämpften Wahlkreis wohnt.

Der Ausgang könnte daher auch ein Stück weit Aufschluss darüber geben, was die Basis mehr goutiert: den Willen, die Gestaltungsmacht mit pragmatischer Politik zu erhalten oder das Streben danach, möglichst grün pur zu verkörpern.

Showdown am 26. März

Duell Am 26. März hat die grüne Basis im Wahlkreis 46 die Wahl: Dann muss sie entscheiden, ob Minister Alexander Bonde oder der Abgeordnete Reinhold Pix das Direktmandat verteidigen soll. 2011 lag der Grüne 1,9 Prozentpunkte vor dem CDU-Kandidaten.

Kritik Dass der Agrarminister ausgerechnet einen aktiven Parlamentarier herausfordert, gefällt nicht allen in der Partei. Die Breisgauer Abgeordnete Bärbl Mielich fordert eine Aussprache in der Landtagsfraktion, Fraktionschefin Edith Sitzmann lehnt das ab.

Absprache Verkehrsminister Winfried Hermann, wie Bonde 2011 von Berlin ins Kabinett gewechselt, will ebenfalls in den Landtag. Er versucht's im Stuttgarter Filderwahlkreis. Der bisherige Abgeordnete verzichtet zu Gunsten des Ministers auf eine Kandidatur.