Zum Aufarbeiten der NSU-Umtriebe ist ein Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags für den Grünen-Integrationspolitiker Daniel Lede Abal nicht endgültig vom Tisch. Bisher befasst sich eine Enquetekommission mit Konsequenzen aus der Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" und vor allem mit dem Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter 2007 in Heilbronn. "Wir müssen schauen, ob die Enquetekommission dafür das richtige Format ist", sagte Lede Abal. "Aber sie ist kein Ersatz für einen Untersuchungsausschuss."

Zum Ende des NSU-Untersuchungsausschusses in Thüringen waren Forderungen laut geworden, Baden-Württemberg müsse die Taten der rechtsextremen Terrorzelle noch aufklären. Auch die Türkische Gemeinde forderte das Landesparlament auf, dem Beispiel Thüringens zu folgen. Der NSU-Bericht aus Erfurt wirft den Ermittlungsbehörden Versagen im großen Stil vor.

Die SPD-Fraktion in Baden-Württemberg pocht auf eine Aufarbeitung in Berlin. Ein Fortführen der Arbeit im Bundestag sei sinnvoller als ein Ausschuss in Baden-Württemberg, sagte Sascha Binder, rechtspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Grünen-Politiker Lede Abal, der in der Enquetekommission mitarbeitet, vermutet im Zusammenhang mit der NSU-Terrorzelle engere Verbindungen zwischen der rechten Szene in Thüringen und Baden-Württemberg als bisher öffentlich dargestellt. Auch die Rolle der Behörden im Südwesten sei noch nicht aufgearbeitet worden, sagte der Landtagsabgeordnete. Er werde sich aber zunächst mit dem Abschussbericht des NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags befassen. "Wir brauchen einige Tage Zeit, um die fast 1900 Seiten durchzuarbeiten. Wir werden das sehr genau prüfen."