Marketing Verein Schlösser und Gärten möchte für „einzigartige Vielfalt“ werben

Idyllisch liegt Schloss Langenburg im Abendlicht. Doch Touristen kommen in letzter Zeit spärlicher. Das soll sich ändern.
Idyllisch liegt Schloss Langenburg im Abendlicht. Doch Touristen kommen in letzter Zeit spärlicher. Das soll sich ändern. © Foto: dpa
Ludwigsburg / Hans Georg Frank 09.05.2017
Ein Verein macht sich  für Schlösser und Gärten stark. Mehr als 15.000 Paläste und Parks sind Zeugen der Geschichte.

Die „Visitenkarten“ wiegen 2438 Gramm. Mit den ­beiden Schwergewichten möchte der Verein Schlösser und Gärten für eine „einzigartige Vielfalt“ werben. Die privaten und staatlichen Besitzer von Palästen und Parks sind – nach einem Probelauf 2011 in Baden-Württemberg – seit 2012 auf Bundesebene organisiert. Die 48 Mitglieder sind verantwortlich für 320 denkmalgeschützte Immobilien. Gemeinsam wollen sie mehr Besucher anziehen und im Tourismusgewerbe und in der Politik mehr Beachtung finden.

Dafür wurden zwei Bücher vom Regensburger Verlag Schnell und Steiner zusammengestellt. Sie sollen den Anspruch auf eine herausgehobene Position unterstreichen. „Pracht und Idylle“ verspricht eine „Bilderreise durch Schlösser und Gärten in Deutschland“. Zu den 74 ausgewählten Sehenswürdigkeiten gehören acht aus Baden-Württemberg. Dabei trifft der Leser auf kuriose Kostbarkeiten wie „die älteste funktionierende Bühnentechnik der Welt“ in Ludwigsburg, „die ältesten datierbaren Türen Deutschlands“ an der Klosterkirche in Maulbronn, die „einzige weltweit erhaltene Gartenmoschee“ in Schwetzingen und „eine der größten privaten Waffensammlungen Europas“ in Sigmaringen.

Versteckte Schönheiten

Zweiter Teil der in Ludwigsburg präsentierten Offensive ist ein Reiseführer mit 270 Zielen. „Große Residenzen, romantische Entdeckungen, versteckte Schönheiten“ wollen erkundet werden. 41 Attraktionen liegen im Südwesten. Dazu gehört Schloss Langenburg, die Heimat von Fürst Philipp, der im Vorstand des Vereins die Interessen der zumeist adligen Besitzer vertritt. In den 1980er Jahren strömten jährlich mehr als 120.000 PS-Enthusiasten in das Automuseum, das der Vater einrichtete. Heute zahlen nur noch 90.000 Besucher Eintritt, obwohl Gartentage und ein Kletterpark dazu kamen.

Den Verlust an Attraktivität führt der Fürst auch auf das Marketing zurück, das der Kleinstaaterei von einst gleicht. Jeder Schlossherr wurschtelte vor sich hin. „Wir waren leider zu wenig vernetzt“, umschreibt Philipp von Hohenlohe-Langenburg den beklagenswerten Zustand. Weil es keinen Ansprechpartner gegeben habe, seien die Burgbesitzer mit ihren Anliegen bei den Politikern nicht durchgedrungen. Damit soll Schluss sein. Der Verein sei „eine sinnvolle Lobbygroup“. Immerhin stehen zwischen Ost- und Bodensee mehr als 15 000 beeindruckende Zeugnisse der wechselhaften Geschichte. Mit den Büchern hofft der Hohenloher Fürst auf „mehr Mut bei den Busunternehmern“, die bisher „nur die Highlights“ ansteuerten.

Sehr engagiert bringt sich dabei der baden-württembergische Staatsbetrieb Schlösser und ­Gärten ein. „Wir waren uns gar nicht im ­Klaren, welche kulturtouristische Kraft wir darstellen“, blickt ­Geschäftsführer Michael Hörrmann zurück. Wegen der vielen Residenzen sei „Deutschland in der Fläche entdeckenswert“, sagt er.

Die Einigkeit ist aber nicht perfekt. Bayerns staatliche Schlösserverwalter wollen mit dem Verein nichts zu tun haben. In den Büchern ist deshalb das berühmteste Schloss der Republik nicht zu finden. Erbauer König Ludwig II. dürfte sich freuen, dass sein Neuschwanstein nicht erwähnt ist. Er wollte sowieso keinen Rummel. Entsprechend ordnete er einst an,  sein Refugium dürfe nicht durch Gaffer entweiht ­werden.

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