Nahverkehr Gratistest mit Schnupperticket für den Bus

Ein paar Fahrgäste passen schon noch rein.
Ein paar Fahrgäste passen schon noch rein. © Foto: Ufuk Arslan
Heilbronn / Hans Georg Frank 14.09.2018

Mit dem Umzug beginnt das Nachdenken über Mobilität. Oft folgt der Umstieg auf ein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel, wie Studien zeigen. Das Auto spielt häufig nicht mehr die Hauptrolle für den Weg ans neue Ziel, sei es Arbeitsplatz oder Einkaufszentrum. Zuzügler, Studenten und Pendler bilden ein großes, oft vernachlässigtes Potenzial als Kundschaft für den Nahverkehr.  Das Verkehrsministerium in Stuttgart bezuschusst die Werbung um diesen Personenkreis als künftige Passagiere in Bussen und Bahnen seit 2015.

Als der Kreisverkehr Schwäbisch Hall die ersten 75 000 Euro aus der Landeskasse bekommen hat, konnte Geschäftsführerin Ingrid Kühnel schon auf achtjährige Erfahrung in diesem Sektor verweisen. Mit dem Zuschuss verfeinerte sie die digitalen Informationen für Neubürger. „Das läuft sehr gut“, stellte sie jetzt zufrieden fest. Alle acht Busunternehmen hätten sich beteiligt. Weil es in ländlichen Gebieten weniger Schüler gebe, müssten neue Kunden gewonnen werden: „Das ist ein ganz großes Thema.“ In allen 30 Rathäusern im Kreis geben die Einwohnermeldeämter Karten aus, mit denen ein 14-tägiges Schnupperticket bestellt werden kann. Die Resonanz sei sehr gut, erklärte die Managerin, „etwa 20 Prozent sind bei uns geblieben“. Den Kreis Schwäbisch Hall suchen sich jährlich rund 1000 Personen als neue Heimat aus.

Gratis-Ticket zum Ausprobieren

Die Kampagne des Verkehrsverbunds wirkt offenbar deshalb so überzeugend, weil auch die Radfahrer und ihre besten Wege berücksichtigt sind. Auch Fahrgemeinschaften, Carsharing, Mitfahrzentralen, Taxen, Mietwagen und Ladestationen sind berücksichtigt. „Mobilität ist eben viel mehr als Bus und Bahn“, betonte Ingrid Kühnel.

Auf gleich gute Erfahrungen hofft nun Gerhard Gross, Geschäftsführer des Heilbronner Nahverkehrs (HNV). Im Förderprogramm gab es für die Städte Heilbronn und Neckarsulm 22 000 Euro für das zweiwöchige Probeticket. Bei jährlich 10 000 Neubürgern setzt  Heilbronn vor allem auf eine Entlastung für die Innenstadt, wenn der ÖPNV ­stärker genutzt wird. Gross rechnet damit, dass ein Drittel der ­Zuzügler den Freifahrtschein nutzen wird. Damit lassen sich Fahrten von Bretten bis Bad Mergentheim unternehmen. Dieses „HNV-Land“ können auch Studenten kostenlos erkunden. 1600 Erstsemester müssen dazu nur ihre Zulassungsbescheinigung vorlegen.

In Neckarsulm ist die Verkehrslage extrem angespannt. Nicht nur wegen Audi und Lidl rollen werktäglich 35 000 Autos von Pendlern in die Kleinstadt mit 27 000 Einwohnern. „Wenn jeder weiter mit dem eigenen Auto allein zur Arbeit fährt, bekommen wir die Verkehrsprobleme nicht in den Griff“, warnte Bernd Pfitzenmaier, Leiter des Ordnungsamtes. Die neue Marketingaktion sei wichtig, um „die Menschen zum Umsteigen zu bewegen“.

Wie sich die unterschiedlichen Konzepte auswirken, lässt das Verkehrsministerium durch eine Evaluation erkunden. Erste Ergebnisse würden für Anfang 2019 erwartet, teilte Babett Waschke, Sprecherin von Ressortchef Winfried Hermann (Grüne), auf Anfrage mit. Sie hat bereits vernommen, „dass die beteiligten Kommunen mit den Erfahrungen und Ergebnissen ihrer Projekte sehr zufrieden sind“. Zu den ausgewerteten Daten gehören jene der Gemeinde Sulzfeld (Landkreis Karlsruhe). Dort kann ein Elektrofahrzeug ausgeliehen werden. Die Auslastung des Zoe von Renault sei noch „stark ausbaufähig“, hieß es aus dem Rathaus.

Zwei Millionen für attraktive Konzepte

Zuschüsse haben in einer ersten Runde Schwäbisch Hall, Stuttgart, Sulzfeld, Ditzingen und Waldshut vom Verkehrsministerium erhalten. Die Fortsetzung folgte mit Heilbronn, Neckarsulm, Offenburg, Landkreis Konstanz, Esslingen, Holzgerlingen, Kirchheim/Teck, Kornwestheim, Leinfelden-Echterdingen, Ludwigsburg und Schorndorf. In diesem Programm stehen zwei Millionen Euro bereit. eb

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