Heidelberg Gleise im Granit sollen an NS-Opfer erinnern

Heidelberg / HANS GEORG FRANK 17.09.2013
Ein Mahnmal wird künftig in Heidelberg an die deportierten Juden erinnern. Ein Würfel gestaltet nach der Idee einer Schülerin soll an die Opfer erinnern.

. Das Laubhüttenfest "Sukkot" am 22. Oktober 1940 - für die Juden in Baden ist das ein tragisches Datum: 5617 meist betagte Menschen aus 137 Gemeinden wurden an diesem Tag verschleppt. Nur 30 Kilo Gepäck hatten die NS-Schergen gestattet, sie pferchten ihre Opfer in Eisenbahn-Waggons . Organisiert hatte die Aktion Gauleiter Robert Wagner, der aus dem heutigen Eberbacher Stadtteil Lindach am Neckar stammte. Sein Plan war, das Territorium in kürzester Zeit "judenfrei" zu melden. 1946 wurde er als Kriegsverbrecher hingerichtet.

Das Ziel des Zuges war nach zwei Tagen und zwei Nächten erreicht: Der kleine französische Ort Gurs in den Pyrenäen. Die Bedingungen in dem dortigen Internierungslager waren so katastrophal, dass viele Deportierte an Entkräftung starben. Wer nicht fliehen konnte, wurde am 10. August 1942 nach Auschwitz geschafft und umgebracht.

An dieses dunkle Kapitel erinnern im Badischen bereits Gedenkstätten. Zum 65. Jahrestag etwa war 2005 in Neckarzimmern ein zentrales Mahnmal mit einem 25 Meter großen Davidstern entstanden.

Nun bekommt auch Heidelberg einen solchen "Ort der Erinnerung". In der Schwanenteichanlage soll ein Mahnmal entstehen, dessen Entwurf aus einem Schülerwettbewerb hervorgegangen ist: Anna-Sophia Weßling von der evangelischen Elisabeth-von-Thadden-Schule hatte die Idee zu dem Würfel aus Odenwälder Granit, auf dem Eisenbahngleise zu sehen sind. Der Steinblock mit einer Kantenlänge von 1,40 Meter wird eingebunden von einem Schienenstrang, der so lang ist wie einer der damals eingesetzten Waggons.

Diese Gestaltung soll den Bezug zum Bahnsteig 1a herstellen, an dem seinerzeit die Deportations-Sonderzüge warteten. Vor der Verlagerung des Heidelberger Hauptbahnhofs befanden sich die Gleise in der Nähe des heutigen Parks.

Die Kosten von 35 000 Euro übernimmt eine Stiftung. Die Stadt Heidelberg lässt für 10 000 Euro die Anlage so gestalten, dass der Kubus mit Symbolcharakter eingebunden werden kann, wurde jetzt im Bau- und Umweltausschuss bekannt gegeben. Der Wettbewerb, bei dem 50 Vorschläge eingereicht worden sind, ging hervor aus einem Schulprojekt anlässlich des 70. Jahrestags der Deportation nach Gurs.

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