Mannheim Giftcocktail für die Töchter gemischt

ULRICH WILLENBERG 10.07.2014
Aus Verzweiflung beschließt eine 51-Jährige, sich und ihre Kinder zu töten - doch alle werden gerettet. Die Frau bekam nun eine Bewährungsstrafe.

Zwei Jahre auf Bewährung wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung - so kann es klingen, wenn eine Tragödie in juristisch nüchterne Kategorien gefasst wird. Aus purer Verzweiflung hatte eine Mutter versucht, sich und ihre beiden Töchter zu töten.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Meinerzhagen sprach in seinem Urteil am Mannheimer Landgericht von einem "Übermaß an Leid", das die 51-jährige Frührentnerin zu der Tat getrieben habe. Ihre erwachsene Tochter ist seit Jahren unheilbar erkrankt und pflegebedürftig. In letzter Zeit verschlechterte sich der Zustand dramatisch. Zudem drückten die Schulden für das neue Haus. Kurz vor der Tat ließ ihr Gatte die Familie im Stich, weil er in der Kur eine andere kennengelernt hatte. "Die Summe der Belastungen hat ihre Kapazitäten bei weitem überstiegen", sagte Meinerzhagen.

In dieser Situation sah die Mannheimerin keinen anderen Ausweg mehr, als sich und ihre Kinder zu töten. Im August 2013 rührte sie Psychopharmaka in ein Getränk. Sie reichte den Giftcocktail zunächst der neunjährigen Tochter und wiegte sie in den Schlaf. Dann gab sie ein Glas der kranken 25-Jährigen, bevor sie selber davon trank. "Bitte lassen Sie uns in Frieden sterben", heißt es in einem Abschiedsbrief, der in Wohnung gefunden wurde. Die Schwester der Angeklagten fand die drei in den Räumen in Mannheim. Alle konnten gerettet werden.

"Ich mach so was nie wieder", versicherte die Angeklagte in ihrem Schlusswort. "Kein Wort kann eine hier geflossene Träne beschreiben", sagte ihr Verteidiger Steffen Kling. Seine Mandantin war in dem Prozess mehrfach in Tränen ausgebrochen. Kling plädierte ebenso wie Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge auf eine Bewährungsstrafe.

Das Mannheimer Landgericht verurteilte die gelernte Erzieherin zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Sie muss zudem 150 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten, muss mit der Familienhilfe kooperieren und darf ihre Therapie nicht vorzeitig abbrechen.

Die kleine Tochter wohnt jetzt bei den Großeltern. Ihr größter Wunsch ist, wieder mit der Mutter zu leben. Zwischen Mutter und Tochter bestehe eine "warmherzige, liebevolle Beziehung", so die Einschätzung einer Kinderpsychologin, die das Kind therapiert.. Die schwer kranke ältere Tochter ist in einem Pflegeheim. Das psychische Befinden der 51-Jährigen hat sich mit Hilfe von Psychotherapie und Medikamenten wieder stabilisiert.