Den Probelauf hat die vom Land in Auftrag gegebene Neuentwicklung eines auf Verkehrstechnik spezialisierten Unternehmens aus Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen bereits im Schwarzwald bestanden: In Präg, dem größten Ortsteil der Stadt Todtnau (Kreis Lörrach), ließ das Verkehrsministerium testen, ob eine bisher für die Fahrzeugzählung verwendete Technik so aufgerüstet werden kann, dass auch der verursachte Lärm gemessen wird. "Grundsätzlich geeignet", stellte Martin Pozybill vom Ministerium zufrieden fest.

Die Polizei startete nun in Löwenstein (Kreis Heilbronn) eine Kampagne gegen den Krach von Motorrädern. Das Mikro steckt samt Akku in einer Hülse, die von einem üblichen Leitpfosten am Straßenrand nicht zu unterscheiden ist. Auf dem Laptop der Verkehrspolizei, die in der Nähe auf der Lauer liegt, erscheinen die Werte - inklusive Geschwindigkeit. Nach Angaben eines Firmensprechers kostet eine solche Apparatur bis zu 4000 Euro. Bei einer Million Leitpfosten im Land fielen die versteckten Zählgeräte nicht auf, ist Pozybill vollkommen sicher.

Werden die zulässigen 80 Dezibel überschritten, muss der Fahrer mit einer Geldbuße rechnen. Wurde beispielsweise mit schnellen Handgriffen der so genannte dB-Killer aus dem Auspuff entfernt, liegt Vorsatz vor, womit das bei Fahrlässigkeit verhängte Bußgeld von 90 Euro verdoppelt wird. Außerdem erlischt die Betriebserlaubnis, weil die Maschine manipuliert worden ist. Uwe Engelhardt von der Heilbronner Verkehrspolizei schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Motorradfahrer sich nicht an die Lärmbegrenzung halten: "Diese Leute wollen eben einen guten Sound haben."

Wenn ein Krachmacher bei der "Verdachtsgewinnung" (Juristendeutsch) am Straßenrand erwischt wird, wird er herausgezogen für eine gerichtsfeste Überprüfung. Dafür muss eine etwa 20 Meter lange Strecke gefunden werden, links und rechts frei von Bäumen, am besten mit abfallender Böschung, kein Hohlweg. Dort wird im zweiten Gang auf Tempo 50 beschleunigt. Zeigt das Instrument in 7,5 Metern Entfernung mehr als 80 Dezibel an, ist die Strafe fällig.

Innenminister Reinhold Gall (SPD) stellt einen Zusammenhang her zwischen Lautstärke, Tempo und Risikobereitschaft: "Wer sein Fahrzeug unzulässig technisch manipuliert, wird sich auch sonst nicht an die Verkehrsregeln halten." Je lauter das Motorrad sei, desto mehr werde die Polizei kontrollieren, "wie sich diese Herrschaften sonst verhalten". Die Landesregierung wolle bis zum Jahr 2020 die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent reduzieren. Dies scheint beim Blick auf die aktuelle Statistik unerreichbar: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres starben im Land 72 Motorradfahrer, im ganzen Jahr 2013 waren es 85. Im Halbjahresvergleich entspricht das laut Gall einer Zunahme um 87 Prozent.

Um das Bewusstsein für die Gefahr auf PS-starken Rädern zu wecken, werde die Polizei an den kommenden drei Sonntagen flächendeckende Kontrollen durchführen, kündigte der Minister an. In Löwenstein dürften diesen Polizeieinsatz viele Bürger sehr begrüßen. Anlieger der Bundesstraße 39 leiden unter dem Lärm. "Motorradfahrer sind sehr willkommen", sagt Bürgermeister Klaus Schifferer, "aber wenige versauen das ganze Bild, die wollen wir hier nicht." Schifferer ist selber Motorradfahrer, er kam mit einer BMW 650 zum Termin.