Krähen Geschützte Störer: Krähen machen Krach und den Kommunen Probleme

Laut und lästig: Krähen sorgen für reichlich Unmut in einigen Städten im Land.
Laut und lästig: Krähen sorgen für reichlich Unmut in einigen Städten im Land. © Foto: dpa
Karlsruhe / lsw 27.02.2017

Krähenpopulationen nehmen im Südwesten wieder zu und mit ihnen Ärger über Lärm und Schmutz. „Das Problem ist hausgemacht“, sagte der Leiter des Nabu-Naturschutzzentrums Federsee, Jost Einstein. „Massive Verfolgung, Abschuss und Störung der Kolonien in der Vergangenheit haben zum Zuzug der Vögel in die Städte geführt.“ Zwar hätten sich seitdem die Bestände der inzwischen geschützten Saatkrähe wieder erholt. An ihre seinerzeit neu eroberten Lebensräume in den Städten hätten sich die hochintelligenten Tiere aber so sehr gewöhnt, dass sie nur schwer von dort zu vertreiben seien.

Wie mühsam das sein kann, zeigt das Beispiel Laupheim (Kreis Biberach). Dort versucht die Stadt seit 1991, die Tiere zu vergrämen. „Bis heute fehlt der durchschlagende Erfolg“, sagte Friedrich Mauch, Chef der Laup­heimer Nabu-Gruppe. Inzwischen hat das Landratsamt die Federführung und jüngst eine Machbarkeitsstudie zur Umsiedlung der Krachmacher erstellen lassen. 

„In den letzten zwei Jahren ist der Unmut der Bürger wieder ziemlich hochgekocht“, sagte Mauch. Insgesamt gibt es im Zentrum etwa 450 Brutpaare. Im Dezember vergangenen Jahres wurden schließlich 40 Nester an den Stadtrand verfrachtet – was das bringt, kann noch nicht beurteilt werden, erklärt die Stadt.

In Lahr (Ortenaukreis), der Stadt mit den meisten Saatkrähen und rund 1540 Brutpaaren, hat die Gemeinde die Bekämpfung aufgegeben. „Es gibt einfach keine Methode, die wirkt“, sagte der Umweltbeauftragte Manfred Kaiser. „Wir erklären den Leuten, dass wir keine Handhabe haben und warum.“

„Dass Saatkrähen in die Städte ziehen, ist eine Entwicklung der letzten 30 Jahre“, erklärte Einstein. „Sie fühlen sich dort mehr in Ruhe gelassen.“ Die Zahl der Brutpaare schätzen Nabu und Umweltministerium auf 8000 bis 8500. „Insgesamt nimmt sowohl die Größe wie auch die Anzahl der Kolonien wieder zu“, so Einstein. „Saatkrähen sind lästig und laut. Aber nicht schädlich.“

Landwirte beschweren sich jedoch ebenfalls. Laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage richten Saatkrähen, vor allem aber auch Rabenkrähen, Schäden unter anderem „im ganzen Rheintal bis in die Vorbergzone“ an. „Der Schadensdruck kann je nach Witterungslage und alternativem Futterangebot sehr niedrig bis sehr hoch sein“, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Genaue Zahlen gibt es nicht.