Prozess Geschlagen, geknebelt und erstickt

Mannheim / Ulrich Willenberg 03.05.2018

Es ist ein rätselhafter Todesfall, den das Mannheimer Landgericht verhandelt. Angeklagt ist eine 33-jährige Frau und ihr zwölf Jahre älterer Freund. Beide sollen einen Bekannten stundenlang gequält und getötet haben.

Oberstaatsanwalt Reinhard  Hofmann geht von dem folgenden Tatgeschehen aus: Alle drei hatten demnach in der Wohnung der Frau in Mannheim Alkohol und Amphetamine konsumiert. Als der 27-jährige Bekannte Selbstmordabsichten äußerte und aus dem Fenster kletterte, kam es erst zu einem Streit und im Laufe der Nacht zum 4. August 2017 zu roher Gewalt. „Ohne Anlass“ hätten beide den jungen Mann mit Händen und Füßen traktiert. Als er die Wohnung verlassen wollte, sei er an den Händen gefesselt und mit einem Socken geknebelt worden. Auf die Frage der Frau, ob der 27-Jährige noch lebe, soll ihr Freund geantwortet haben: „Er kann durch die Nase atmen.“ Ein Trugschluss. Das Opfer sei „nach längerer Agonie“ am nächsten Morgen erstickt, sagte Oberstaatsanwalt Hofmann. Erst Stunden später wurde der Rettungsdienst informiert. Da kam jede Hilfe zu spät.

Vorläufig in einer Klinik

Zum Prozessauftakt wollte sich das Paar nicht zu den Vorwürfen äußern. Der 45-Jährige ist des Mordes aus niedrigen Beweggründen angeklagt. Seine Freundin wird des Totschlags beschuldigt. Die 33-Jährige leidet offenbar an einer chronischen Schizophrenie und ist wahrscheinlich schuldunfähig. Ihr Freund soll in jener Nacht ihr gegenüber behauptet haben, der Bekannte wolle sie beide töten, bevor er sich selber umbringt. Die Frau habe dies aufgrund eines akuten Krankheitsschubes geglaubt und das Unrecht der Tat nicht einsehen können, sagte Hofmann. Der Schub sei durch das Absetzen von Medikamenten und den Drogenkonsum ausgelöst worden. Die Beschuldigte ist vorläufig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. 

In der Nachbarschaft war die Frau wiederholt durch ihr bizarres Verhalten aufgefallen. Sie soll Gegenstände aus dem Fenster geworfen und mit der Bibel in der Hand seltsame Dinge erzählt haben.

Urteil am 13. Juni

Die Öffentlichkeit wurde am Vormittag für die Dauer der Hauptverhandlung ausgeschlossen. Das Gericht folgte damit dem Antrag des Verteidigers der 33-Jährigen. Die Mandantin wolle nicht, dass ihre Krankengeschichte öffentlich diskutiert werde, sagte ihr Anwalt. Das Urteil ist für den 13. Juni geplant. Bei der Verkündung wird die Öffentlichkeit wieder zugelassen sein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel